Ein und Alles
Sascha kommt eines Abends nicht nach Hause. Obwohl sich Mila sicher ist, dass ihr Mann nicht weit weg sein kann, fahndet bald schon die Polizei nach ihm, denn bei seiner Firma fehlt Geld. Ist Sascha untergetaucht, wurde er entführt? Mila erhält Zeichen, stößt auf Spuren, die nur von Sascha stammen können. Auch dann noch, als niemand mehr daran glaubt, dass er noch lebt. Unbeirrbar folgt sie den mysteriösen Hinweisen um die halbe Welt bis in den Südpazifik.


Lieselotte Stalzer –
„Endlich seine Schritte. Aber Mila sprang nicht auf und stürzte zur Tür. Sie blieb auf dem Sofa sitzen. … Sie hörte das unvermeidliche Knarren der drittobersten Stufe, das Klimpern des Schlüsselbunds und das Kratzen beim Einführen des Schlüsselbundes. Dann Stille. Mila hielt den Atem an. Es blieb still. … Sie wollte langsam bis hundert zählen, aber bei fünfzig hielt sie es nicht mehr aus, stand auf und ging zum Eingang. Schon auf dem Flur rief sie: ‚Sascha?‘ Keine Antwort.
Mila ist seit sechs Jahren mit Sascha verheiratet und sind füreinander Ein und Alles. Sie wundert sich zwar, dass ihr Mann am Abend nicht nach Hause gekommen ist und auch nicht am nächsten Tag, doch stattdessen steht die Polizei vor ihrer Tür. Sascha wird verdächtigt, einen großen Geldbetrag in seiner Firma veruntreut zu haben und sich in die Südsee abgesetzt zu haben. Mila kann sich weder glauben, was sie von der Polizei hört, noch dass er in die Südsee geflohen ist, denn sie findet immer wieder Hinweise, dass Sascha in der Nähe ist. Jedoch sieht diese außer ihr niemand, und was sie sieht, verschwindet wenig später wieder. Schließlich rückt sie selbst in den Kreis der Verdächtigen.
Durch das Spiel zwischen den Bewusstseinsebenen Milas, der Realität und dem ‚anderen Raum‘ entsteht eine einfühlsame Liebesgeschichte, die zunehmend zu einem temporeichen psychologischem Thriller wird.
„Licht trat aus seiner Brust und erfüllte den ganzen Raum“. Professor Schoch, der in „Ein und Alles“ diese Äußerung macht, ist eine von Martin Suter erfundene Figur. Das Erlebnis, das er schildert hat ihn verändert, verdankt sich jedoch „einer Erfahrung, die Federico Faggin selbst gemacht und geschildert hat.“ Die Begegnung des Autors mit dem Physiker Faggin gab den Anstoß zu diesem Roman. Dessen These eines unsterblichen Bewusstseins habe ihn fasziniert.
Martin Suter spielt mit seinen Leser:innen und zeichnet gekonnt wie immer ein literarisches Vexierbild der möglichen Geschehnisse. Mehr als fünf Sterne wären als Bewertung angebracht.