Wir gehen mal los
Nach dem Tod seiner Mutter geht Amedeo nicht mehr zur Schule. Er flüchtet sich in Videospiele, hört viel Musik und geht dem Vater aus dem Weg. Der besorgte Vater hofft, Amedeo auf einer Zweitageswanderung auf die Punta Liberté wieder näherzukommen. Doch es kommt alles ganz anders als geplant. Und bald ist es an Amedeo, in der Abgeschiedenheit der majestätischen, aber auch rauen Bergwelt Verantwortung zu übernehmen.


Lieselotte Stalzer –
Die Geschichte beginnt mit dem Gedanken, den Amedeo, der Protagonist der Geschichte, nach dem Versprechen, in die Berge aufzubrechen, gegenüber seinem Vater hat. „Der Ingenieur Giandomenico Ghisleri, sein Vater, ist ein Arsch. Hätte er ihm nicht einfach das Computerspielen verbieten können? Zwei Wochen keine Playstation, so wäre das bei normalen Eltern gelaufen. … Der Ingenieur ist für Folter. Wie sonst sollte man das Programm nennen, das ihm sein Vater präsentiert, als er am Freitagnachmittag vom Elterngespräch nach Hause kommt? ‚Punta Liberté, 3453 Meter‘“.
Raffaella Romagnolo erzählt in ihrem Roman von den Ängsten von Amedeo Filiberto Maria Ghisleri, einem pubertierenden Jungen, dessen Welt im letzten Jahr nicht einfach war. Der Ausflug in die Berge ist für Amedeo eine Herausforderung, denn er wandert nicht gerne und als „Enkel von Oberstleutnant Ghisleri, erfahrener Bergsteiger, Eroberer von Gipfeln mit Schnee und scharfem Eis, leidet an Schwindel.
Zwei Tage allein mit seinem Vater. Hinter den langen Haaren über den Augen beobachtet Amedeo das Tal und den Gipfel. Rucksack, Stiefel, eine schwere Jacke und vor allem kein Handy. Der Berg und die Feldwände machen ihm Angst. Die Erinnerung an seine Mutter, die bei einem Unfall tödlich verunglückt ist, begleitet ihn ständig. Das Schlaflied, das sie immer gesungen hat, hilft ihm nach dem anstrengenden Aufstieg, einzuschlafen.
Spülmittel
1l H-Milch
Gekochter Schinken, 2 Packungen
Kartoffeln
Zahnpasta
Fehlt was? Dann schreib’s dazu, Ame!
Die Gesellschaft seines Vaters empfindet er immer bedrückender. Zur Ablenkung denkt er auch an Lucille, die neue schüchterne Mitschülerin. Der Rückweg auf einem Abgrund aus Steinen wird zu einem Albtraum, als ein Erdbeben seinem Vater ein Bein zerquetscht und dieser nicht mehr gehen kann. Ohne Handy scheint es unmöglich, Hilfe zu rufen, um seinen verletzten Vater zu retten.
„Wir gehen mal los“ beeindruckt durch die von Peter Klöss gelungene Übersetzung, die die kraftvolle und intensive Sprache der Autorin im Deutschen sehr genau zum Ausdruck bringt. Die Intensität der Gefühle Amedeos, die Dialoge zwischen Vater und Sohn, die Schönheit der Natur aber auch die Gefahren, die von ihr ausgehen: erzeugen bei Leserinnen und Leser das Gefühl, auf der Wanderung dabei zu sein.
Der Ausgang der Wanderung, ist ebenso beeindruckend, wie der Beginn. Plötzlich versteht Amedeo was fehlt. „In dieser Nacht hat mich das Leben in die Hand genommen“, schreibt der Junge, der hinter seiner Locke verborgen war.
Dieses Buch ist nicht nur für Erwachsene geschrieben, sondern war 2020 für den italienischen Literaturpreis für Jugendliche ab 11 Jahren nominiert. Uneingeschränkte Leseempfehlung, ein All-Age Roman.