Wenn Katzen reden könnten
Fehlende Kundschaft, gebrochenes Herz, Mieterhöhung und kistenweise Neuerscheinungen, die allesamt Schund sind. Buchhändler Marzio Montecristo denkt, es könnte nicht schlimmer kommen – und dann wird er auch noch zu einer Promo-Kreuzfahrt für den berühmtesten Krimiautor Italiens eingeladen, um dort dessen Bücher zu verkaufen: Aristide Galeazzo schreibt die letzten Kapitel seines neuen Romans öffentlichkeitswirksam auf einem Schiff, das von Sardinien bis nach Marseille fährt. Jeden Abend legt es für Lesungen in einem anderen Hafen an. Montecristo hält Galeazzo für arrogant und seine Romane für überschätzt, aber die Aussicht auf gute Umsätze treibt ihn an Bord, gemeinsam mit den beiden schwarzen Katzen Miss Marple und Poirot. Doch nur wenige Seemeilen vor Cagliari wird Galeazzo tot in der Schiffsbibliothek gefunden. Wer sollte hier ermitteln, wenn nicht der Inhaber einer auf Krimis spezialisierten Buchhandlung?


Lieselotte Stalzer –
Die wohl rhetorische Frage des Titels „Wenn Katzen reden könnten“ ist der rote Faden, das Grundmotiv für den neuen Roman von Piergiorgio Pulixi. Die Buchhandlung des schroffen Buchhändlers Marzio Montecristo wurde als „schwimmende Buchhandlung“ für die Werbetour eines Verlags ausgewählt. Marzio ist zwar nicht begeistert davon – er verabscheut den Autor – aber da seine Buchhandlung wenig Ertrag bringt, ist das eine gute Gelegenheit, um Geld zu verdienen. Mit ihm dabei sind Inspektor Caruso, der nach der Kreuzfahrt in den Leseclub der „Dienstagsdetektive“ aufgenommen werden soll und seine beiden Katzen Miss Marple und Poirot.
Der Verlag des Autors hat die Tour als Lesereise geplant. An jedem Hafen Sardiniens sollen Leser:innen an Board gehen, an einer Lesung unter freiem Himmel teilnehmen und mit einem signierten Exemplar an Land zurückkehren. Doch die als Urlaub gedachte Reise nimmt eine unerwartete Wendung. Aristide Galeazzo wird in der Bibliothek an Bord ermordet aufgefunden. Für den Mord haben viele Personen ein (wirtschaftliches) Motiv, denn Galeazzo hat kurz zuvor bekannt gegeben, seine Hauptfigur zu töten. Montecristo muss nun seine jahrelange Erfahrung als Detektiv nutzen, um einen Mörder zu stellen, der überzeugt ist, das perfekte Verbrechen begangen zu haben.
In fließendem Schreibstil und kurzen Kapiteln baut Pulixi eine sehr angenehm zu lesende Sommerlektüre auf. „Wenn Katzen sprechen könnten“ ist ein Krimi im Stil eines Klassikers dieses Genres: Einführung und Charakterisierung der Hauptfiguren, Höhepunkt, Verhöre und Lösung des Falls. Er erinnert an Agatha Christie und ihr Buch „Tod auf dem Nil“.
Die Handlung ist geschickt als Kammerspiel inszeniert, das sich durch die räumliche Begrenzung am Schiff auszeichnet und durch ein gewisses Maß an Unausweichlichkeit die Dramatik des Geschehens noch verstärkt. Als Leser:in ist man dicht am Geschehen dabei. Bei den Verhören vermittelt das Setting als Kammerspiel durch die psychologische Dynamik zusätzliche Spannungselemente. Die psychodramatische Situation im Laufe des Geschehens spitzt sich immer weiter zu. Am Ende haben die beiden „sprechenden“ Katzen Miss Marple und Poirot ihren großen Auftritt und können den Mörder identifizieren.
Auch für Nicht-Krimi Fans zu empfehlen.