The Artist – Die Farben des Lichts

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Provence, um 1920. Für Joseph Adelaide ist die Einladung die Chance seines Lebens: Er wird den weltberühmten Maler Tartuffe interviewen, der seit Jahren die Öffentlichkeit scheut. In dem abgelegenen Landhaus erwartet den Journalisten jedoch eine Überraschung. Denn nur solange Joseph dem Maler Modell sitzt, darf er bleiben und über ihn schreiben. In der flirrenden Sommerhitze erkennt Joseph bald, dass das größte Rätsel nicht der »Meister des Lichts« ist, sondern Tartuffes Nichte. Ettie kocht, wäscht Pinsel und erträgt Tartuffes Launen mit unergründlicher Hingabe. Doch etwas brodelt in ihr. Joseph fühlt sich immer mehr zu ihr hingezogen. Und langsam, Schicht für Schicht wie in einem Gemälde, kommt ihr Geheimnis ans Licht …

Autor: Lucy Steeds ISBN: 978-3-423-28544-5 Kategorien: ,
dtv , 2026
Hardcover , 384 Seiten
Produkt-ID:10984

1 Bewertung für The Artist – Die Farben des Lichts

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    Die flirrende Hitze des Sommers und die intensiven Farben Südfrankreichs sind der stimmungsvolle Schauplatz des Romans „The Artist – Die Farben des Lichts“. Im Mittelpunkt stehen der berühmter Maler Edouard Tartuffe, seine Nicht Ettie und der junge Journalist und Kunstkritiker Joseph Adelaide. „Venez“ hatte die einsilbige Aufforderung gelautet, die Joseph erhalten hat und weshalb er auf der staubigen Straße zu einem einsam gelegenen Bauernhaus unterwegs ist, in dem der Maler mit seiner Nichte lebt. Wider erwarten darf Jospeh bleiben, unter einer Bedingung: Tartuffe bei seinem neuen Bild Modell zu stehen. „Können Sie vollkommen unbeweglich bleiben? … Versprechen, mich nicht zu unterbrechen, nichts anzufassen, mich in keiner Weise abzulenken? Können Sie ein schattenhaftes Dasein führen, außer wenn ich Sie als „Junger Mann mit Orange“ brauche?“ Ein Interview bekommt er zwar nicht, aber Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers und dessen Haushalt. Darüber darf er auch schreiben.

    Josephs Anwesenheit verschiebt sehr bald das fragile Gleichgewicht im Haus. In den folgenden Monaten ist Jospeh zunehmend von Ettie fasziniert und sie hat gelernt „geduldig zu sein. … Und so wird sie auch jetzt warten, wie sich die Geschichte entwickelt.“

    Lucy Seeds Figuren sind farbenfroh und präzise charakterisiert. Tartuffe: wortkarg, aufbrausend, unberechenbar, oft auch feindselig und v.a. tyrannisch gegenüber seiner Nichte. Ettie: misstrauisch, lautlos, still rebellierend. Ihre Aufgabe scheint es nur zu sein, eine perfekte Umgebung für ihren Onkel, den berühmten Maler, zu schaffen.

    Der Roman entwickelt sich perspektivisch durch die Beobachtungen Josephs und Etties und dem Alltag rund um das Atelier. Zunächst sind es nur Szenen der Mahlzeiten im Haus. Am Tisch werden selbst Austern und Pfirsiche, die Ettie für das Abendessen kauft, nach ihren Eigenschaften als potenzielle Motive für ein Stillleben ausgewählt, dem Essenden notfalls auch entrissen. Langsam beginnen sich die beiden anzunähern und Ettie gibt ihr Geheimnis preis.

    Die Autorin verbindet Charaktere und Landschaft zu einem geheimnisvollen Roman, in dem sie Fragen von Macht, Kunst und Eigentum aufgreift. Ihre Prosa entwickelt sich langsam, das Ende ist überraschend. The Artist ist perfekt für alle, die psychologische Geschichten über Kunst, Identität, Autonomie und die stillen Rebellionen, die alles verändern, mögen und atmosphärische Stimmung lieben. Ein Buch, das lange nachhallt.

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