Tage im August
Dacia Maraini Romandebüt von 1961 spielt im Italien unter Mussolini. “Die Welt ist ein Inferno.” Mit diesen Worten warnen die Nonnen des römischen Mädcheninternats ihre Schützlinge vor den Gefahren, die draußen auf sie lauern. Aber die 14jährige Anna brennt vor Neugierde, ebenjene Welt kennen zu lernen. Als dann endlich der Sommer kommt und mit ihm die heißersehnten Ferien, ist Anna fest entschlossen, die Freiheit in vollen Zügen auszukosten. Mit ihrem jüngeren Bruder Giovanni fährt sie an die Küste vor Rom, um den August bei ihrem Vater und ihrer Stiefmutter zu verbringen. Vor dem düsteren Hintergrund des faschistischen Italien macht Anna ihre ersten wahllosen sexuellen Erfahrungen und verführt – ganz die schuldlos schuldige Lolita – Männer jeden Alters. Aber der Sommer geht zu Ende und mit ihm die Zeit der Illusionen …


Lieselotte Stalzer –
Im Sommer 1943, vor dem Hintergrund der Kriegsnachrichten und dem Dröhnen der Flugzeuge, verbringen Anna und ihr Bruder Giovanni den Sommer, die „Tage im August“ an der römischen Küste. Anna, die Erzählerin des Romans ist 14 Jahre und lebt mit ihrem Bruder in einem Internat, das von Nonnen geleitet wird. Der Roman setzt ein, als ihr Vater die beiden mit dem Motorrad abholt und mit ihnen in die Ferien fahrt. „Mumuri wartete draußen schon auf uns. Er saß rittlings auf seinem Motorrad. ‚Da seid ihr ja.‘ Er lächelte zufrieden. ‚Los steigt auf‘, sagte er und reichte uns die Hand.“
Die beiden Geschwister verbringen die Sommerferien bei ihrem Vater und seiner Lebensgefährtin Nina. Im selben Haus wohnt auch die Familie des Arbeitgebers ihres Vaters. Annas Tage verlaufen träge und freudlos. Einzig sexuelle Begegnungen bieten eine Abwechslung der heißen Sommertage, an denen nichts geschieht. In den ersten Tagen lädt Armando, der einzige Sohn der Pompeis, sie ein, ein paar Runden zu schwimmen. Mit ihm schließt sich Anna in der Umkleidekabine ein und zieht sich auf seine Bitte hin aus. Auch älteren Männern, die von der beginnenden Weiblichkeit Annas angezogen werden, fügt sie sich. Dacia Maraini schildert Anna in Szenen wie diesen als apathisch und gleichgültig gegenüber dem Geschehen.
Die Autorin zeichnet das Bild einer schwierigen Jugend, denn es gibt nicht nur kein Vergnügen (außer dem Schokoladeneis), sondern nur Pflicht und die Verteidigung des Vaterlands. Der Urlaub geht zu Ende. Aber seine tiefen Spuren, werden vielleicht bei Anna für immer bleiben. Als Leser:in fühlt man sich an den Anfang des Romans versetzt, als eine Nonne an der Pforte sagt. „Wenn sie hier rausgehen, weiß man nie, wie sie wieder zurückkehren.“
Der italienische Buchtitel beschreibt besonders treffend die zweierlei Bedeutungen des Begriffs: sowohl Urlaub als auch Vakuum. Bereits in jungen Jahren (es ist Marains Debütroman) hat sie einen meisterhaften Coming-of-Age Roman verfasst. Sie versucht die Suche nach Gefühlen zu verstehen und Werte zu finden. Als Roman und dessen Inhalt würde ich gerne 5 Sterne vergeben, bei der Übersetzung von Ingrid Ickler bin ich mit an machen Stellen nicht sicher. Deshalb nur 4 Sterne insgesamt.