Stunden wie Tage

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Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich ist: eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.

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Autor: Shelly Kupferberg ISBN: 978-3-257-07348-5 Kategorien: , Schlüsselworte: ,
Diogenes , 2026
Hardcover , 272 Seiten
Produkt-ID:10851

1 Bewertung für Stunden wie Tage

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    Der Roman „Stunden wie Tage“ stellt zwei Frauenbiografien in den Mittelpunkt der Handlung. Dabei verknüpft die Autorin Shelly Kupferberg die Geschichte der jungen Widerstandskämpferin Liane Berkowitz mit dem Leben der einfachen Hausbesorgerin Martha.
    Martha tritt 1925, in jungen Jahren, die Stelle einer Hausbesorgerin in einem Schöneberger Mietshaus Haus der jüdischen Brüder Harry und Ber Berkowitz an. Sie ist pflichtbewusst, fleißig, sparsam und zurückhaltend. Mit Harry Berkowitz bespricht sie alle Belange rund um das Haus, kassiert die Mieten und leitet sie an ihn weiter.
    Eine besondere Beziehung entwickelt sie zu Liane, der Tochter des Hausbesitzers Henry Berkowitz. Die Figur Liane Berkowitz basiert auf der gleichnamigen Widerstandskämpferin. Das aufgeweckte Mädchen wächst in einem wohlhabenden Umfeld auf. Erste Liebe, politisches Bewusstsein und schließlich der Schritt in den Widerstand gegen das NS-Regime kennzeichnen ihr Leben. Historisch führt dieser Weg Liane in die Gruppe der „Roten Kapelle“.
    Die Handlung verläuft überwiegend chronologisch, wird jedoch immer wieder durch Rückblenden ergänzt, die den Leser tiefer in die Vergangenheit der Figuren führen. Mit Martha lernt man die Bewohner des Hauses in Schöneberg kennen, erlebt ihre Freuden und Leiden, aber auch, wie sie den Mann fürs Leben kennenlernt. Über das Ehepaar Harry und Katharina Berkowitz erfährt man, dass sie Anfang der 1920er Jahre aus politischen Gründen nach Berlin gezogen sind und Harry Katharinas Tochter Liane adoptiert hat.
    Zunehmend nehmen die Figuren die wachsenden Repressionen gegenüber der jüdischen Bevölkerung wahr. Während sich Ber rechtzeitig nach England absetzt, bleibt Harry zunächst bei seiner Familie, verlässt Deutschland jedoch in letzter Minute. Seine Frau weigert sich ihn mit ihrer Tochter zu begleiten.
    Shelly Kupferberg hat intensiv recherchiert und lässt in „Stunden wie Tage“ ein authentisches und lebendiges Bild der damaligen Zeit entstehen. Dabei verwebt sie historische Fakten mit fiktiven Elementen, mit kleinen Begebenheiten, die den wachsenden Druck durch das NS-Regime greifbar machen. Aber auch entspannte Szenen, wie z.B. ein Besuch Lianes mit ihrem Freund in einer russischen Bar, lässt die Autorin einfließen, um den beginnenden Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung lockere Momente entgegenzusetzen.
    Der Einstieg in den Roman ist bewusst ruhig gewählt. Mit präziser Sprache beschreibt sie den Alltag der „einfachen Leute“ und ihren Beobachtungen zunehmender Verfolgungen jüdischer Menschen. So beschreibt Kupferberg z.B., wie Martha mit den Lebensmittelmarken einer jüdischen Nachbarin auf dem Markt einkaufen geht, weil diese dem politischen Druck nicht mehr gewachsen ist. Mit eindringlicher Sprache beschreibt sie die beklemmende Zeit des Nationalsozialismus, ein Porträt über Mut, Schuld und Erinnerung.
    Die Figuren und einzelne, genau gezeichnete Ereignisse, bleiben noch lange nachdem man den Roman zu Ende gelesen hat im Gedächtnis. „Stunden wie Tage“ ist ein absoluter 5-Sterne Roman.

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