Sempre Susan

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Frühling 1976 in New York City: Sigrid Nunez, gerade mal 25 Jahre alt, träumt davon, Schriftstellerin zu werden, als Bob Silvers von der „New York Review of Books“ ihr einen Job vermittelt: Sie soll einer bekannten Autorin, die ein paar Straßenecken weiter auf der Upper Westside wohnt, bei der Korrespondenz helfen. Wenig später sitzt Nunez am Küchentisch von Susan Sontag und tippt auf deren Schreibmaschine, was Susan ihr diktiert. Sie lernt die glamouröse Denkerin aus nächster Nähe kennen, verliebt sich in deren Sohn David und zieht schließlich bei den beiden ein. Ein Erinnerungsbuch, in dem Sigrid Nunez über die vielleicht prägendste Begegnung ihres Lebens schreibt und ein privates, nuanciertes Porträt von Susan Sontag entsteht.

Autor: Sigrid Nunez ISBN: 978-3-351-03849-6 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Aufbau , 2020
Hardcover , 141 Seiten
Produkt-ID:5792

1 Bewertung für Sempre Susan

  1. Bewertet mit 4 von 5

    Lilo Stalzer

    Sigrid Nunez übernimmt als angehende Autorin die herausfordernde Aufgabe, Susan Sontag – bereits arrivierte Essayistin – als Assistentin zur Seite zu stehen.
    Zitat NUNEZ: „Sie war dreiundvierzig, als wir uns kennenlernten, doch auf mich wirkte sie sehr alt. Das lag zum einen daran, dass ich fünfundzwanzig war und mir in diesem Alter alle über vierzig alt erschienen.“ Sie geht mit Sontags Sohn eine Beziehung ein, zieht sogar für kurze Zeit zu ihm in den gemeinsamen Haushalt mit seiner Mutter.

    Sigrid Nunez ist heute selbst eine erfolgreiche Autorin (‚Der Freund‘). In ‚Sempre Susan‘ teilt sie ihre sehr persönlichen Erinnerungen an die verstorbene Autorin. Ohne Umschweife oder Verherrlichung porträtiert sie ihre langjährige Mentorin.
    Zitat SONTAG: „Hör nicht auf Autoren, die behaupten, dass man nicht gleichzeitig ein ernsthafter Schriftsteller und ein unersättlicher Leser sein kann“.
    Zitat NUNEZ: „Wichtig war schließlich das Leben des Geistes, und damit dieses Leben voll gelebt werden konnte, war Lesen die unerlässliche Voraussetzung. Ein Buch pro Tag war nicht zu viel verlangt. … Bei Susan […] hatte ich das Gefühl die Erlaubnis erhalten zu haben, mich den zwei Berufungen zu widmen – lesen und schreiben – die oft schwierig zu rechtfertigen sind.“

    Auch Sontags Schwächen werden in Anekdoten angesprochen, ohne jedoch einer Wertung unterzogen zu werden, so z.B. Bekannte, Freunde und sogar Personal in einem Restaurant verbal anzugreifen.
    Zitat SONTAG: „Regen Sie sich nicht auf! Ich habe ja nur gefragt.“
    Zitat NUNEZ: „Ständig sagte sie den Leuten, sie sollten sich nicht aufregen, in einem ätzend verächtlichen Tonfall.“ Entschuldigt hat sie sich meist nicht dafür. Und: „Sie hatte keine Geduld mit Schwächlingen.“

    Wie hat Susan Sontag ausgesehen – wir kennen Fotografien, aber aus ihrer eigenen Sicht?
    Zitat SONTAG: „Ich werde nichts tun, was die Aufmerksamkeit auf mein Aussehen lenkt. Wenn jemand will, dann kann er genau hinschauen und vielleicht wird er feststellen, dass ich attraktiv bin.“
    Zitat NUNEZ: Sie trug kein Make-up, aber sie färbte sich das Haar, machte sich Sorgen um ihr Gewicht und trug Eau de Cologne für Männer von Dior.

    Und ihr Zugang zu Kollegen? Nunez schreibt, dass sie begeistert war von William Faulkeners Roman ‚Licht im August‘ und den europäischen Autoren, allen voran Italo Calvino und Peter Handke.

    Was manchmal wie eine Befreiung von Susan Sontag klingt, macht das Bild dieser amerikanischen Ikone menschlich und authentisch. Durch die persönliche Nähe erhält man auch einen Einblick in die damalige Lebenssituation von Sigrid Nunez, Ende der 1970er Jahre.

    Flüssig zu lesen – keine Biographie der verstorbenen Autorin. Eine unbedingte Leseempfehlung für literaturbegeisterte Menschen.

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