Herr Origami

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Ein junger Japaner reist auf der Suche nach seiner großen Liebe nach Italien. Als er sie nicht finden kann, wählt er ein Leben in Abgeschiedenheit. In der Toskana widmet er sich ganz der Meditation und der Herstellung von Washi, traditionellem japanischem Papier, das zum Falten von Origami benötigt wird. Jahrzehnte später besucht ihn ein junger Uhrmacher. Der Mann arbeitet an einer hochkomplizierten Uhr, die sämtliche Zeitmessungen abbilden soll. Die Begegnung gibt dem Leben beider Männer eine völlig neue Richtung.

Autor: Jean-Marc Ceci ISBN: 978-3-455-00857-9 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Atlantik , 2020
Hardcover , 160 Seiten
Produkt-ID:4715

1 Bewertung für Herr Origami

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    „Die neunte Tagung des zwischenstaatlichen Ausschusses …verfolgt insbesondere das Ziel, eine bessere Sichtbarkeit des immateriellen Kulturerbes zu gewährleisten.“ Diese Kommission sucht nach den vier kürzesten Begriffen der Welt, um diese zu würdigen. Die vier Worte sind: Washi, Origami, Zen und Ima.

    Jedem Kapitel ist ein Kanji des entsprechenden Begriffs vorangestellt, der den Lebensweg des Helden begleitet. Der sehr kurze, aber sehr intensive Roman beginnt mit dem Ausdruck Washi, der Kunst des Papiermachens. Dieser Abschnitt ist der Einführung des Protagonisten gewidmet, Meister Kurogiku. Der junge Japaner reist auf der Suche nach seiner großen Liebe – Signora Tschão -, die er jedoch nie wieder sieht nach Italien. Im Gepäck hat er nicht viel: Drei Kōzo-Setzlinge, Papiermaulbeerbäume. Er quartiert sich in einer alten Ruine ein und widmet sich der Zazen-Meditation und der Herstellung von Washi. Diese Tätigkeit wird von Jean-Marc Ceci ausführlich beschrieben „Dieser Vorgang (Anm.: Vom Schneiden der Äste bis zur Verwendbarkeit) verlangt viel Zeit und Geduld“. Die schönsten Washi Blätter behält er, die anderen verkauft er. Seine Tage verbringt er mit Zen Meditation und dem Falten von Origami. Das folgende Kapitel ist betitelt mit der Kunst des Papier Faltens.

    Jahrzehnte später besucht ihn ein junger Uhrmacher, der an einer komplizierten Uhr arbeitet, die sämtliche Zeitmessungen abbilden soll. Die Begegnung gibt dem Leben beider Männer eine völlig neue Richtung. In den nächsten Tagen und Wochen entwickelt sich eine philosophische Diskussion über das Leben und die Zeit. „Wir sind die Rädchen im Getriebe einer sehr komplizierten Uhr. Wir verstehen nicht immer, was eine kleine Bewegung von uns auf der anderen Seite des Ziffernblatts bewirkt.“ Während der alte und der junge Mann ihre Gedanken austauschen, meist aber schweigen, streicht ihnen die Katze Ima (dt.: Jetzt) um die Beine.

    „Die Kunst des Origami ist eine Kunst mit einfachen Regeln … umso schwieriger ist es, diese Kunst zu beherrschen. Das in Japan symbolträchtigste Origami ist der Kranich“. An diese Faltung schließt sich eine Geschichte an, die ebenfalls in diesem Buch erzählt wird (siehe Sadako Sasaki; wem es gelingt, 1000 Kraniche zu falten, wird ein Wunsch in Erfüllung gehen).

    „Herr Origami“ von Jean-Marc Ceci ist ein sehr ruhiges, langsames Buch. Es bannt die Zeit und schickt Leserinnen und Leser auf eine Reise zwischen Poesie, Philosophie und Weisheit. Es verzaubert durch feinfühlige Bilder und der Entschleunigung des Alltags. Die Gestaltung des 160 Seiten umfassenden Textes mit wenigen Worten pro Seite, übernimmt die Form der kunstvoll gefalteten Origami Objekte und lädt so zum Nachdenken ein. Die Übersetzung von Claudia Kalscheuer ist als gelungen zu bezeichnen.

    Ein Debütroman mit Potenzial zum Klassiker zu werden, in jedem Fall zum Verschenken und Wiederlesen.

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