Marianengraben

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(2 Kundenrezensionen)

Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt – auf die eine oder andere Weise.

Autor: Jasmin Schreiber ISBN: 978-3-8479-0042-9 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Eichborn , 2020
Hardcover , 256 Seiten
Produkt-ID:4820

2 Bewertungen für Marianengraben

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    Der Marianengraben liegt im westlichen Pazifischen Ozean. Die Tiefe beträgt eben jene 11000 Meter unter dem Meeresspiegel, die dem ersten Kapitel des Debütromans von Jasmin Schreiber seinen Namen gibt. Ein interessantes Detail für österreichische Leserinnen und Leser: Benannt wurde er wie die Inselgruppe der Marianen nach der spanischen Königin Maria Anna von Österreich.

    Paula, die weibliche Figur des Romans stellt sich vor, einmal auf den Grund dieser Tiefseerinne zu tauchen. Ihr Gemütszustand ist bereits an diesem Punkt angekommen. Sie trauert um Tim, ihren kleinen Bruder, der, interessiert an allem, wie z.B. „Wie sieht das denn aus, das Nichts?“ Zwar ist dessen Tod schon zwei Jahre her, doch noch immer leidet Paula unter Depressionen. Sie fühlt sich schuldig, weil sie in dem Urlaub, in dem alles geschah, nicht mit dabei war. Ihr Therapeut rät ihr, sein Grab zu besuchen. Sie klettert nachts über den Zaun des Friedhofs, um den vielen Menschen, die tagsüber dort sind, nicht begegnen möchte. Zufällig trifft sie dort auf einen weiteren nächtlichen Besucher, den 83-jährigen Helmut, der dort die Urne seiner Freundin Helga ausgräbt, um die Asche in den Alpen ausstreuen zu können. Vor ihrem Tod hat er der Verstorbenen eine Reise nach Südtirol versprochen, jetzt will er dieses Versprechen einlösen. Paula schließt sich dem Rentner an. Mit dabei ist Judy, ein Hund und ein Huhn namens Lutz, das Paula am Straßenrand aufliest und auf den Roadtrip in dem altersschwachen Wohnmobil mitnimmt.

    Mit den kurzen Kapiteln, die jeweils mit einer stetig kleiner werdenden Zahl betitelt sind – ausgehend von der Tiefe des Marianengrabens bis Null – entwickelt sich die Freundschaft und das Verständnis der beiden ungleichen Figuren. Jasmin Schreiber hat dieses originelle literarische Stilmittel gewählt, um die Trauerarbeit Paulas zu dokumentieren. Dies ist ihr gut gelungen, ohne kitschig und anmaßend gegenüber Trauernden zu sein. Gleichzeitig ist der Roman sehr humorvoll, skurril, mit viel Situationskomik geschrieben und erhält dadurch eine ganz eigene Ausgewogenheit.

    „Marianengraben ist ein langsames Buch, in dem es um Gegensätze geht: Leben und Sterben, Gesundheit und Krankheit und auch die beiden Protagonisten sind, liebevoll gezeichnet, sehr gegensätzlich im Umgang mit diesen Themen. Es ist ein positives Buch, dessen stimmiges Ende auf einem Berghof nicht überrascht. Jasmin Schreiber hat mit diesem Buch einen Debütroman vorgelegt, der sehr behutsam mit den Lebensgeschichten der Figuren herangeht. Der Sprache des Romans ist leicht, unterhaltsam und bilderreich, wenngleich stellenweise zu viele Metapher verwendet werden.

  2. Bewertet mit 5 von 5

    Ulli Jaksch

    Zu Beginn der Rezensionsschlusssatz: Ich bin von diesem Buch restlos begeistert!
    Paula lebt zurückgezogen. Ihre Doktorarbeit als zukünftige Biologin zu schreiben, ist in weite Ferne gerückt. Sie drückt sich vor Kontakten, spricht mit ihrer Familie nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt, weil sie weiß, dass sich alle um sie sorgen. Ihr kleiner, über alles geliebter Bruder Tim ist zwei Jahren zuvor gestorben. Ein Leben ohne Tim war für Paula niemals vorgesehen. Sie trauert unendlich. Immer wieder versinkt sie in Wellen tiefer Depression. Nach stundenlangem Schweigen und stockenden Gesprächen über Nudeln mit ihrem Therapeuten, beschließt sie, Tims Grab zu besuchen. Das geht für sie nur, wenn niemand anderer dort ist. Also klettert sie nachts über die Friedhofsmauer. Alleine bleibt sie nicht einmal dann. Helmut, ein äußerst brummiger Kauz, befindet sich ebenso dort mit seinen ganz eigenen Absichten. Nach dieser Friedhofsbekanntschaft, muss es sein, das sich die Beiden mit Helmuts Wohnmobil auf eine abenteuerliche Reise begeben. Ein Nebeneinander und mitunter ein Gegeneinander ist das zuerst, denn leicht machen sie es einander nicht. Doch mit der Zeit stellen sie fest, dass sich mehr Miteinander entwickelt, als sie gedacht, geplant oder gewünscht haben.
    Zum Abschluss der Rezensionsbeginn: Jasmin Schreibers erster Roman Marianengraben erzählt auf skurrile Art über Trauer, Depression und möglichen Wegen zurück ins Leben. Sie werden schmunzeln, laut lachen und weinen auch. Sie werden dieses Buch vielleicht nicht mehr aus der Hand legen wollen. Lesen sie es langsam und genüsslich. Es ist eine sprachliche Kostbarkeit.

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