Machtkampf im Ministerium

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Nach einem Jahr im Bildungsministerium ist Susanne Wiesinger ernüchtert. Die Lehrerin ist aus dem Klassenzimmer ins Ministerium gewechselt, um Missständen an österreichischen Schulen entgegenzuwirken. Nun hat sie selbst erlebt, woran die österreichische Bildungspolitik scheitert: Die Parteilinie scheint wichtiger zu sein als wirkliche Hilfe für die Schüler.

Autor: Susanne Wiesinger ISBN: 978-3-200-06697-7 Kategorie: Schlüsselwort:
Edition QVV , 2020
Hardcover , 233 Seiten
Produkt-ID:4500

1 Bewertung für Machtkampf im Ministerium

  1. Bewertet mit 4 von 5

    Ernst A. Swietly

    Die von Massenmedien zur „Wutlehrerin“ stilisierte Wiener Lehrerin Susanne Wiesinger gibt, trotz geschickter tödlicher Umarmung durch die österreichische Schulbürokratie, nicht auf. Sie beharrt trotz gefinkelter Versuche der offiziellen Bildungspolitik, sie mundtot oder lächerlich zu machen, eisern darauf, präzise und unbarmherzig nachzuzeichnen, wo die Wurzeln liegen, die das österreichische Schulsystem seit Jahrzehnten auf krause Irrwege lenken. Professionelle Vergleiche — siehe den Anhang ihres Buches mit Zahlen, Daten, Fakten! –, zeigen, dass wir eine der teuersten, aber erfolglosesten Bildungs- und Erziehungs-Einrichtungen unserer Zeit haben. Österreichs Steuerzahler müssen Milliarden opfern, dass ein überbürokratisiertes, praxisfernes und parteipolitisch verkrustetes Bildungssystem eine teils verlorene Generation hervorbringt, deren Ballast uns weitere Milliarden kosten wird.
    Die Vermittlung von Fähigkeiten für ein friedliches, verständnisvolles, erfülltes und lebenswertes Zusammenleben unserer Kinder und Kindeskinder durch unsere Schulen klappt längst nicht mehr. Dazu kommen jene anspruchsvollen Herausforderungen einer aus den Fugen geratenen Migrationswelle, die unser Land mit unterschiedlichsten Sprachen, Sitten, Verhaltensformen und Lebenszielen konfrontiert. Alle, die aufgerufen sind, diese neuen Probleme zu erkennen und professionell zu lösen, schauen verlegen weg, tricksen einander gegenseitig aus und verheddern sich in ideologischen Grabenkämpfen. Die Lehrer, die an der Front stehen, haben keine Stütze in ihrem aufopfernden Beruf; weder ihre Vorgesetzten noch die vielen Zwischenebenen der Schulbürokratie, noch die Lehrergewerkschaft, noch die hohe Politik stärken ihnen den Rücken, im Gegenteil.
    Alles das hat Susanne Wiesinger schon in ihrem ersten Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“ für die Brennpunktschulen in Wien in konkreten Beispielen aufgezeigt. Dem Buch wurde aber vorgeworfen, es analysiere nur den besonders stark von der Migration betroffenen großstädtischen Bereich Wien. In den Bundesländern, so meinten die Kritiker, sei die Situation viel besser. Das zweite Buch Wiesingers, „Machtkampf im Ministerium“, straft diesen Vorwurf Lügen. Wiesingers Erkenntnisse aus Reisen durch alle Bundesländer, die sie als vom Bildungsminister 2018 frisch gekürte Ombudsfrau für Wertefragen und Kulturkonflikte unternommen hat: 1. die Abgründe der parteipolitischen Vereinnahmung der Lehrer klaffen österreichweit; 2. die Lügengespinste um die Erfüllung der Lehrpläne verdichten sich; 3. die ideologische Anpassung der Lehrer und ihre Unterwerfung unter das Diktat von Politik und Schulbürokratie zeitigt wachsenden vorauslaufenden Gehorsam, denn bei Widerstand droht das Karriereende; 4. die Gewerkschaften blockieren alle klugen Reformideen, statt sie voranzutreiben.
    „Welche Konsequenzen hat es, wenn immer mehr Jugendliche schlecht ausgebildet sind und von Sozialhilfe leben“, fragt Wiesinger und sagt voraus: „Ein wachsender Teil unserer Jugendlichen wird nie einer geregelten Arbeit nachgehen. Stattdessen werden diese jungen Erwachsenen sehr früh Kinder bekommen und dieselben Probleme haben wie ihre Eltern. Ihre Chancen auf ein besseres Leben sind gering. Denn leider vererben sich die sozialen Probleme . . . Wir müssen uns als Gesellschaft fragen, was aus dieser verlorenen Generation wird.“ Wiesinger räumt ein, dass die Antworten darauf von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausfallen. In Oberösterreich ortet sie mehr Einsicht, Wien sieht sie als Schlusslicht bezüglich Problemeinsicht und Reformeifer. „Schlimm ist: Man kennt die Schwierigkeiten, man weiß genau, welche Schulen welche Probleme haben. Es darf nur nicht offen darüber gesprochen werden.“ Dieses Resumee dürften an die 90 Prozent aller heimischen Lehrer zumindest innerlich unterschreiben. Sie sagen es aber nicht offen; denn sie haben Angst, ihre derzeitige Position zu verlieren.
    Das einzige, was diesem Buch fehlt, ist eine grafische Darstellung der vielen verwinkelten Ebenen, Kompetenzen und Querverbindungen des österreichischen Schulsystems mit seinen tausenden Funktionären, Bonzen, Akteuren, Financiers und Mitläufern. Gäbe es eine solche Dokumentation der Bildungs-Desorganisation, würden die Steuerzahler wohl rebellieren.
    Wiesinger schließt mit zehn Vorschlägen „was jetzt zu tun ist“: 1. verpflichtende Vorschulerziehung; 2. Eltern als Bildungspartner gewinnen; 3. Die Schul-Ordnung und ihre Regeln mit Sanktionen durchsetzen; 4. Lehrer-Aus- und -Fortbildung intensivieren; 5. Schulbürokratie zurückstutzen. 6. Mehr schulisches Unterstützungspersonal; 7. gemeinsame Schule bis zur neunten Stufe; 8. Ethik- und Religionsunterricht mit gemeinsamer Wertevermittlung; 9. Ganztagsbetreuung für alle Schüler; 10. bessere Verteilung der Schüler nach Herkunft, Sprache und Religion im Interesse der besseren Durchmischung der Klassen.

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