Lazarus Man
Der große Harlem-Roman von Krimipreisträger Richard Price
East Harlem, 2008. Ohne Vorwarnung stürzt ein fünfstöckiges Mietshaus ein, das ganze Viertel versinkt im Chaos. Die Rauchwolke steht dicht über dem Berg aus Schutt, als Rettungsdienste und Medien eintreffen. Als eigentlich keiner mehr mit Überlebenden rechnet, wird Anthony Carter aus den Trümmern geborgen, unversehrt, aber nicht mehr derselbe. Richard Price folgt vier unvergesslichen Charakteren durch die Nachwehen einer urbanen Katastrophe. Ein fesselndes Gesellschaftspanorama voller Spannung und sozialer Visionen.
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Lieselotte Stalzer –
„Lazarus Man“ ist das neueste Werk des Autors und Drehbuchautors Richard Price. Der Roman spielt in East Harlem im Jahr 2008. Mittelpunkt der Handlung ist der Überlebende Anthony Carter, der nach einem unerwarteten Einsturz eines Mietshauses 36 Stunden unter den Trümmern überlebt. Er ist der titelgebende Lazarus Man und wird für das Stadtviertel zur Symbolfigur für Überleben und Neuanfang. Die Rettungskräfte sind nicht nur verblüfft, dass sie ihn bei ihrer ersten Suche übersehen hatten, sondern auch, dass er in den Trümmern überlebt hat.
Neben ihm begleitet der Roman noch weitere Personen, deren Lebenswege sich durch das Unglück kreuzen: Felix Pearl, ein junger Fotograf, der versucht das Chaos mit der Kamera festzuhalten und der Tragweite für die Menschen Bedeutung geben will. Weitere Figuren sind der Bestatter Royal Davis und Mary Rose, eine Polizistin die verzweifelt nach einem Vermissten sucht.
Die Spannung des Romans liegt weniger in der Handlung, als in der vielschichtigen und glaubwürdigen Figurenzeichnung im sozialen Raum Harlems. Es sind persönliche Verluste, moralische Konflikte wie jener des Bestatters, der aus der Katastrophe auch Gewinn machen kann.
Bleiben wir bei Anthony: arbeitslos, von der Familie getrennt, seit kurzem nicht mehr drogensüchtig. Dank seines neu gewonnenen Ruhmes als Mann, der von den Toten auferstanden ist, erhält er die Chance, ein neues Leben zu beginnen. East Harlem ist ein Stadtteil voller Menschen, die eine optimistische Botschaft brauchen, dass auch sie überleben können. Anthony erweist sich als der perfekte Botschafter Er verkündet das Wort Gottes bei Beerdigungen, die von Royal geleitet und von Felix aufgezeichnet werden, während Mary dabei zusieht, um für Ruhe zu sorgen; drei Lebenswege, die sich durch die Katastrophe kreuzen.
Price fängt soziale Spannungen und individuelle Interessen und die Dynamik des Viertels auf eindrucksvolle und authentische Art ein. Die Atmosphäre ist dicht und bewegend. Er greift aktuelle Themen wie Gentrifizierung, Wohnungsnot, Armut aber auch Zusammenhalt in der Not auf. Als Leser:in hat man nicht das Gefühl einen Roman zu lesen, sondern in einer beschriebenen Realität – kein Terroranschlag, keine Gasexplosion und doch erinnert der Roman an die Anschläge am 11. September 2001.