Ein weißer Elefant

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Ein „weißer Elefant“ ist ein arbeitsloser Arbeitender, der zwar seine Anstellung behält, dem aber das Tätigkeitsfeld entzogen wird. Waren früher nur unkündbare Beamte von einer solchen Situation betroffen, so ist die Praxis des Kaltstellens mitsamt Bore-Out heute in Großkonzernen, Banken und Versicherungen gängig, wenn Dienstverhältnisse aus bestimmten Gründen nicht einfach gekündigt werden können.
Männlich, 51, ehemaliger Leiter der Abteilung Informationstechnologie. Drei Kinder von drei verschiedenen Frauen. Auf dem Abstellgleis. Die Fallhöhe dieses „weißen Elefanten“ ist vorprogrammiert. Daniel Wisser schildert seinen Absturz als schaurig-witziges Sittenbild unserer Gesellschaft.

Autor: Daniel Wisser ISBN: 978-3-902665-68-3 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Klever , 2013
Softcover , 180 Seiten
Produkt-ID:777

1 Bewertung für Ein weißer Elefant

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    In Thailand gelten weiße Elefanten seit jeher als Machtsymbol. Sie dürfen nicht arbeiten (also nicht gewinnbringend eingesetzt werden) und werden ausschließlich dafür gehalten, um den Status seines Besitzers zu untermauern. Daniel Wisser hat eine moderne Fassung der Parabel über weiße Elefanten verfasst.
    In „Ein weißee Elefant“ kämpfen zwei Versicherungsangestellte gegen die Leere des Berufsalltags an. Sie erfüllen keine nützliche Arbeit mehr, können aber, weil sie pragmatisiert sind, auch nicht gekündigt werden. „Bezahlt frei“: 8 Stunden täglich, 40 Stunden die Woche. Niemand kommt, um zu kontrollieren, ob die beiden pünktlich zur Arbeit erscheinen und tagsüber anwesend sind. Die Szenerie in die der Leser versetzt wird ist bedrückend: ein einfaches, karg eingerichtetes Büro, ein Schreibtisch, ein PC, kein Telefon, kein Internetzugang, keine prsönlichen Gegenstände. Der Blick auf die Straße: eine stark frequentierte Kreuzung.
    So wie Menschen unterschiedlich reagieren, wenn ihnen ihre Arbeit entzogen wird, so verschieden werden auch die beiden Protagonisten in diesem Roman dargestellt. Der ältere der beiden Männer, 51 Jahre alt, ist ehemaliger Leiter der Abteilung für Informationstechnologie. Aus Sicht des CEOs „müsse frisches Blut in die Abteilung für Informationstechnologie“ und er könne ihm 60% des bisherigen Gehalts bis zum Pensionsantritt anbieten. Er nimmt das Angebot nicht an, geht ohne Gruß. Am nächsten Tag bezieht er das Zimmer im 3. Stock.
    Seit dem Augenblick, als der jüngere Kollege das ‚Büro‘ betritt, redet er unaufhörlich, Tag für Tag: von seinen Söhnen, die von drei verschiedenen Frauen sind (die alle nichts voneinander wissen), von seinen Ansichten über die Gesellschaft, Gedanken über die Welt, den Krieg und den Frieden, von angeblichen Freunden, wie den gescheiterten Hellseher Vidisch. Sein Gegenüber schweigt beharrlich, bis zum Schluss.
    Unterbrochen wird der manisch anmutende Redeschwall nur durch die von ihm selbst geschaffene Tätigkeit, die „Ampelstatistik“. Jede davon ist eine besondere Variante und bekommt einen Namen. Bald ist man als Leser versucht, eine österreichische Versicherung oder Bank an der beschriebenen Kreuzug (Parkring, Hausergasse, Herbststraße) zu suchen, es gibt sie nicht. Eines Tages verkündet der 51-Jährige, dass er, als Übergangslösung, wieder seinen früheren Posten erhält und bittet den schweigenden Kollegen, die Statistik weiterzuführen und ihm per Hauspost zuzustellen. Am Tag der Rückkehr in das trostlose Büro, vier Monate später, betitelt er eine Ampelphase: „Einmal Elefant, immer Elefant“. Neuerlich ist ihm der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Er entwickelt Verschwörungstheorien. Seine Aggressionen, sowohl sich selbst, als auch dem passiven Kollegen gegenüber, nehmen zu.
    Die Geschichte wird vom schweigsamen Kollegen erzählt. Dieser wirkt vollkommen unberührt von der Lebensgeschichte seines Vis a Vis. Die Emotionslosigkeit des Schweigenden gegenüber den Worten des Anderen, erzeugt Wisser u.a. durch den Verzicht, die direkte Rede des älteren Mannes durch Anführungszeichen zu kennzeichnen. In der Anonymität eines großen Konzerns ist nicht wichtig, was jemand sagt oder denkt, alle Mitarbeiter sind austauschbar. Sprachlich brillant und mit Helden, die ohne Namen agieren, lässt der Autor eine sachliche und unpersönliche Büroatmosphäre entstehen.
    „Ein weißer Elefant“ ist ein Gesellschaftsroman, der den heutigen Berufsalltag kritisiert und sich dem Phänomen des sogenannten ‚Boreout‘ das zu einem Zustandsbild ähnlich eines ‚Burnout‘ führen kann, annimmt. Literarisch hervorragend umgesetzt.

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