Der Jude der Kaiserin
Wien um 1670: Barocke Herrlichkeit und bittere Armut prägen die Stadt. Kaiser Leopold I. leidet nicht nur unter Geldmangel für seine Feldzüge, er braucht auch dringend einen Thronfolger. Nur Leibarzt Pedro de Rojas kann der verzweifelten Kaiserin Margarita Teresa helfen. Der jedoch hat ein gefährliches Geheimnis: Er ist ein spanischer Converso, ein konvertierter Jude, der seinen Glauben im Geheimen praktiziert. Die katholische Kaiserin will die Juden aus der Stadt vertreiben, sie hält sie für die Ursache allen Übels. Wird es Don Pedro und seiner Geliebten, der Hebamme Esther, gelingen, das zu verhindern? Vladimir Vertlib verbindet Komödie und Drama zu einem großen Roman über Glaubenskämpfe und Standesdünkel, Hetze, Intrigen und Verrat, aber auch Liebe, Treue und tiefe Freundschaft.


Lieselotte Stalzer –
chauplatz des Romans „Der Jude der Kaiserin“ ist das barocke Wien im 17. Jahrhundert. Margarita Teresa stammte aus der spanischen Linie der Habsburger. Durch ihre Ehe mit Leopold I. wurde sie römisch-deutsche Kaiserin. Die Hochzeit der damals 15-jährigen Infantin wurde in Wien 1666 mit großem Prunk gefeiert. Ihr Ehemann knüpft große Hoffnungen auf einen Thronfolger an die junge Ehegattin. Die Verbindung des Paares war lange geplant, und aus diesem Anlass ließ der Madrider Hof über die Jahre drei Gemälde von Velázquez anfertigen und nach Wien schicken, welche die junge Infantin im Alter von drei, fünf und acht Jahren zeigen. (Anm.: Die Gemälde hängen heute im Kunsthistorischen Museum in Wien). Die erste Begegnung der beiden findet am Semmering/Schottwien statt “Zuerst sah sie nur seine Silhouette und senkte sofort den Blick. Als sein Schatten ihre Zehenspitzen berührte, hob sie denn Kopf und schaute ihn an. … Weniger angenehm war der Speichelregen, der sich mit den Worten ihres Bräutigams über Margarita Teresa ergoss.“
Margarita Teresa und Leopold I, die beiden realen Figuren in diesem Roman, werden von einer sehr facettenreichen fiktiven Personage umgeben, allen voran den Leibarzt der Kaiserin Pedro de Rojas, einem spanischen Converso; einem zum Christentum konvertierten Juden, der sein Judentum im Geheimen praktiziert. Eine ebenso von Vladimir Vertlib erdachte Figur ist Esther, eine als Hebamme arbeitende Jüdin, die der kindlichen Kaiserin bei den Geburten zur Seite stehen soll. Die junge Kaiserin, die streng gläubig ist, möchte die Juden aus Wien vertreiben, denen sie die Schuld an ihren Fehlgeburten gibt. Ihr Leibarzt und Esther sind davon ausgenommen. Als Margarita Teresa nach ihrer fünften Fehlgeburt im Alter von nur 21 Jahren stirbt, sind auch Pedro und Esther in Österreich nicht mehr sicher.
Vladimir Vertlib hat einen bildreichen und mitreißend erzählten Roman geschaffen, der auf sehr gut recherchiertem historischen Material basiert und die habsburgische Heiratspolitik sehr deutlich macht. Die für die Romanhandlung erfundenen Erzählelemente sind in den gesellschaftlichen und politischen Kontext des 17. Jahrhunderts sehr gut eingebettet und berichten von Glaubenskämpfen, Intrigen und Standesdünkeln, aber auch Liebe und Freundschaft.