Das Palais muss brennen

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Abgründig, rasant und mit bitterbösem Sprachwitz erzählt Mercedes Spannagel in ihrem Debütroman von der korrupten rechten Elite, die von ihrer rebellischen Brut zu Fall gebracht wird. Luise ist die Tochter der rechtskonservativen Bundespräsidentin Österreichs. Als diese sich ihren neunten Windhund zulegt, holt Luise einen Mops ins Palais, den sie Marx nennt. Die Waffen der präsidialen Jagdgesellschaft schmeißt sie in den Pool, das Teezimmer tapeziert sie mit Artikeln über die Verbrechen der chinesischen Regierung und als ihre Mutter sie mit einem Burschenschafter verkuppeln will, der ihr stolz den Schmiss über seiner Augenbraue zeigt, skandiert sie: »Mensur ist Menstruationsneid!«. Mit ihren Freunden streift Luise durch die Straßen Wiens und schmiedet Pläne, die Regierung zu stürzen. Eine Kunstaktion auf dem Opernball soll das Land verändern – doch es läuft nicht ganz so, wie sie es sich gedacht haben. »Das Palais muss brennen« ist eine scharfsichtige und irre komische Erzählung über den Widerstand in einer tief gespaltenen Gesellschaft. Ein furioses Debüt, mit dem ein neuer, unverwechselbarer Sound Einzug in die deutschsprachige Gegenwartsliteratur hält.

Autor: Mercedes Spannagel ISBN: 978-3-462-05509-2 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Kiepenheuer & Witsch , 2020
Hardcover , 192 Seiten
Produkt-ID:5487

2 Bewertungen für Das Palais muss brennen

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    „ Ich sagte, dass Frau Bundespräsident sich gestern den neunten Windhund angeschafft habe und dass ich mir daher sofort diesen Mops zugelegt hätte, weil er überhaupt kein Windhund sei, und: Ich habe ihn Marx getauft, weil Frau Bundespräsidentin den Kommunismus hasst.“ Mit diesen Worten führt Mercedes Spannagel in DAS PALAIS MUSS BRENNEN Louise, die sich Lu nennt, die Protagonistin des Debüts ein.
    Lu, Anfang 20, ist die unkonventionelle Tochter der österreichischen Bundespräsidentin. Nicht nur der Mops selbst, auch sein Name sind Trotzreaktionen auf die Ideologie der rechtspopulistischen Mutter. So versenkt Luise zum Beispiel bei einem von ihrer Mutter organisierten Jagdausflug in der Steiermark die Gewehre der Teilnehmer, während diese schlafen. Auch ihr Mops steht immer wieder im Mittelpunkt töchterlicher Provokationen.
    Der mit 192 Seiten eher dünne Roman wird aus der Perspektive von Lu erzählt. Der in einfachen Verhältnissen aufgewachsenen Mutter, die es vom Plattenbau bis ins Palais der Bundespräsidentin geschafft hat, stehen Lu und ihre Schwester Yara, luxusverwahrloste Töchter gegenüber, die vorgeben zu studieren, sich aber vorwiegend ihren komplizierten Liebschaften widmen. „Ich hatte früh eine Abscheu in mir. Ich hatte früh Revolution in mir. Ich war antiautoritär und verwahrlost. Ich war verwöhnt. Ich war schwierig, von Anfang an.“
    Vordergründig erzählt Spannagel von einer schwierigen Mutter-Tochter Beziehung („In diesem Haus gibt es weder Abtreibungen noch uneheliche Schwangerschaften“), entwirft aber gleichzeitig (und das ist der eigentliche Inhalt des Romans) ein dystopisches Bild der politischen Gesellschaft Österreichs.
    „Das Palais muss brennen“ besticht einerseits durch seinen sehr kritischen Blick auf die heutige Gesellschaft, v.a. die rechtskonservative Elite und deren Kinder. Korruption der Elterngeneration stehen Vergnügen, Party, und „Bussi links, Bussi rechts“, Koks und sexuelle Freiheiten gegenüber. Andererseits zeigt Spannagel auch, dass die Generation der Ich-Erzählerin gebildet und reflektiert ist, wie den in den Text eingeflochtenen Zitaten, z.B. von Roland Barthes und Walter Benjamin zu entnehmen ist.
    Sprachlich wandelbar zeigt sich die Autorin durch ihre Figuren, denen sie eine teilweise schnoddrige, witzige, bitterböse oder auch autoritäre Stimme verleiht. Das Palais in der Innenstadt muss aber nicht wirklich brennen, um die Geschichte der rechtskonservativen Bundespräsidentin, ihrer Parteigenossen und Liebhaber sowie ihrer Töchter zu einem furiosen Ende zu bringen.

  2. Bewertet mit 5 von 5

    Andrea Meyer

    Mercedes Spannagel: Das Palais muss brennen

    Tja, so ist das halt, wenn Schein und Sein weit auseinanderliegen. Manchmal schlägt das Leben mit der Absurditätskeule zu und die ganze heiße Luft entweicht. Leider wird es immer genug Menschen geben, die ignorieren, daß im Ballon nie mehr als Luft war und die den Ballon aufheben, um ihn wieder zu füllen. Natürlich mit heißer Luft.

    Mercedes Spannnagel hat einen sehr klugen Roman geschrieben über einen großen Ballo… Entschuldigung … über eine rechte Politikerin im Amt der Bundespräsidentin und über ihrer Töchter. Die eine hat sich zurückgezogen in ihr höhlenartiges Zimmer und sucht einen Ausweg aus ihrem Leben über die Kunst und ein Tattoo-Studio. Die andere, die Erzählerin, verortet sich politisch links, analysiert das Leben der Mutter scharf und kompromißlos und ist doch in dem Leben im Luxus gefangen, daß das Geld der Mutter mit sich bringt. Sie treibt darin orientierungslos und ein bißchen verloren, dabei unfähig, der Mutter mehr entgegenzusetzen als ein paar – wenn auch sehr pointierte und kluge – Provokationen und verbale Attacken. Zum Schluß hat diese Tochter in einer Partnerin ein bißchen emotionalen Halt gefunden und ruft auf zum Schwanengesang auf die Karriere der Mutter, für die das Palais steht. Doch die Mutter wurde schon längst von einer anderen obskuren und doch sehr konkreten Macht (aus Russland) gerettet und ist auf dem Weg zu ihrem nächsten Job. So ist die Politik. So ist das Leben.

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