Das Flirren der Dinge

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Antonio ist auf einem Auge blind – und doch wählt der große Fotograf Alessandro Pavia von allen Kindern im Waisenhaus ausgerechnet ihn als Lehrbuben aus. Er nimmt ihn mit in sein luftiges Atelier über den Dächern von Genua und bringt ihm seine Kunst bei. Im frisch vereinigten Italien gilt es viel festzuhalten. Doch als bei einem Arbeiteraufstand eine junge Hebamme vor Antonios Linse läuft, sieht er mehr als ihre Gestalt. Vielleicht die Zukunft?

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Autor: Raffaela Romagnolo ISBN: 978-3-257-07196-2 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Diogenes , 2022
Hardcover , 368 Seiten
Produkt-ID:7340

1 Bewertung für Das Flirren der Dinge

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    „Für die Großen gibt es keinen Zuschuss“, sagte der Vorsteher. „Was schert mich der Zuschuss! Ich brauche einen Assistenten, kein Almosen, zum Donnerwetter!“ …“Er?“, fragte der Vorsteher. Er. So ist das Leben.
    „Viele Jahre nach dem Aprilmorgen, an dem alles begann, dachte der Fotograf Antonio Casagrande, als er sich unerwartet, wie schon so oft, mit dem Tod konfrontiert sah, dass das Leben immer unscharf ist.“
    Zwischen diesen beiden Zitaten liegt der Roman „Das Flirren der Dinge“ (Original: Di luce propria) von Raffaela Romagnolo.
    Antonio ist knapp 12 Jahre alt und hat keine Hoffnung mehr, dass ihn jemand aus dem Waisenhaus Pammatone in Genua adoptiert. Denn er hat ein perlmuttfarbenes Auge, ist auf einem Auge blind. Der Mann, der ihn mitnimmt, heißt Alessandro Pavia und ist Fotograf. Er bringt dem Jungen nicht nur sein Handwerk bei, sondern auch das Schreiben, Lesen und Geographie, weil er als überzeugter Anhänger Mazzinis möchte, dass der Junge weiß, wo London ist, die Stadt, in der dieser im Exil ist.
    Der Roman ist eine historische Rekonstruktion, die mit einem ehrgeizigen Unterfangen Pavias beginnt: “alle Teilnehmer des „Zugs der Tausend“ zu porträtieren, also jene Truppe aus Freiwilligen unter Garibaldi, die im Mai 1860 auf Sizilien landete und die süditalienische Insel von der Herrschaft der Bourbonen befreite und Italien eine Nation wurde.
    Auf der Suche nach diesen Männern lernt Antonio Primo Leone kennen, den Sohn eines dieser Helden. Auf dem Bauernhof der Leones gibt es viele Leute, die ein Foto wollen und Pavia gibt dem Lehrbuben die Gelegenheit, sein erstes Foto zu machen. Antonio nimmt die Augenklappe ab, der sein blindes Auge bedeckt, schaut durch die Linse des Objektivs und sieht das Schicksal des Fotografierten. Antonio Casagrande, dessen „verrücktes Auge“ reines Licht ist, sieht nicht zu wenig, es sieht zu viel.
    “Das Flirren der Dinge” verbindet mit starken Bildern und knapper Sprache historische Wahrheit mit einer spannenden Erzählung. Maja Pflug hat diese überwältigende Geschichte wie immer einfühlsam und überzeugend übersetzt. Den Figuren hat sie auch in der deutschen Übersetzung die Stärke gegeben, am Leben nicht zu verzweifeln, sondern an ihrem Schicksal zu wachsen.
    Erwähnenswert sind auch die Anmerkungen der Autorin über die Quellen, die zum Entstehen des Buches beigetragen haben. Auch als Leserin habe ich Namen und Begebenheiten recherchiert.
    Besonders lesenswerter Roman, für an Italien, Geschichte und Fotografie interessierte Leser:innen.

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