Wer hier schlief

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(1 Kundenrezension)

Lange dachte Kuhn, er könnte sie beide behalten, Vera und Myriam. Es war ihm doch auch möglich, einen guten Rotwein und einen exzellenten Weißwein zugleich im Schrank zu haben. Das eine schloss das andere nicht aus. Im Gegenteil, sie ergänzten einander. Wenn er erhitzt war von Myriams mystischer Verklärung des Alltags – sie war etwa davon überzeugt, dass Pflanzen eine Seele hätten und behauptete, sie könnten auf ihre Art singen – dann kühlte ihn Veras Pragmatismus wieder auf Raumtemperatur herunter. Wenn Vera, Geschäftsführerin von SECURELLA, einem Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Sicherheitstüren spezialisiert hatte, ihm die neue Marketingstrategie erläuterte, nährte ihn die Aussicht auf ein Gespräch mit Myriam, das frei war von technischen Daten. Mit Vera rechnete er, mit Myriam träumte er, und er benötigte das eine, um das andere zu genießen.

Autor: Isabella Straub ISBN: 978-3-351-05042-9 Kategorie:
Blumenbar , 2017
Hardcover , 304 Seiten , 1. Auflage
Produkt-ID:2119

1 Bewertung für Wer hier schlief

  1. Bewertet mit 4 von 5

    yellowdog

    Der Roman mit dem auffälligen Cover ist ein sprachlich fein gearbeiteter Text, der vor allen durch seinen Detailreichtum auffällt. Details in den Beschreibungen sind genau und so häufig, wie man es selten liest. Es ist somit ein Merkmal für den Stil der österreichischen Autorin Isabella Straub, die schon mit ihrem Debütroman Südbalkon aufgefallen war.

    Ein Teil dieses Stil ist die Fähigkeit, Figuren mit wenigen Sätzen zu charakterisieren, als Beispiel mögen in Abschnitt 2 “Fischen im Milchozean” die Mutter des Protagonisten Philip Kuhn und deren Nachbarin Helene dienen.

    So einige Sätze bleiben wirklich hängen und laden zum nachsinnieren ein, z.B. “Er sah das Gesicht der Ärztin vor sich, die nach Torf roch, als sie sich über ihn beugte.” Die Geste und diesen Geruch kann man sich sofort vorstellen.

    Durch diese Mittel getragen wird der Bewusstseinszustand des Protagonisten verdeutlicht. Philipp Kuhn hat sich für Myriam von seiner Frau Vera getrennt, dabei Wohnung, Job und finanzielle Mittel verloren. Dann verschwindet auch Myriam und Philipp steht komplett neben sich. Er irrt durch die Stadt, die möglicherweise Wien ist. Ein wertvolles Gemälde trägt er bei sich, kann sich aber nicht mal für ein paar Stunden Schlaf ein Hotelzimmer leisten. Er fühlt sich krank, kämpft mit seiner überschäumenden Magensäure.
    Sein Leben ist aus dem Ruder gelaufen.

    “Wer hier schlief” sprüht vor Einfallsreichtum.
    Was die Autorin hier fantasievoll zeigt ist nicht unrealistisch. Ein Abstieg aus dem gesicherten Leben kann jeden treffen! Vielleicht ergeben sich aber auch Chancen!

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