Ungebetene Gäste
Naomi ist nicht begeistert, als sie sich allein mit ihrem einjährigen Sohn Uri und einem arabischen Handwerker in ihrer Wohnung in Tel Aviv wiederfindet. Ihr Mann Juval hat ihn mit der Renovierung ihres Balkons beauftragt, während er selbst bei der Arbeit ist. Sie fühlt sich unwohl in der Präsenz des fremden Mannes, zumal Uri eigentlich seinen Vormittagsschlaf halten sollte und allmählich quengelig wird. Während sie Kaffee zubereitet, entsteht plötzlich auf der Gasse vor dem Haus ein Aufruhr, ein Teenager ist von einem herabstürzenden Hammer erschlagen worden. Naomi wird schnell klar, dass ihr Sohn den Hammer in einem unbeaufsichtigten Moment vom Balkon gestoßen haben muss. Doch der Verdacht fällt nicht auf die israelische Familie, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als er wenig später zum Verhör abgeführt wird, ist Naomi wie gelähmt, es gelingt ihr nicht, die Wahrheit zu sagen.


Lieselotte Stalzer –
Naomi und Juval leben in Tel Aviv und sind Eltern eines 14 Monate alten Jungen. Seit Naomi vor über einem Jahr ihren Sohn Uri auf die Welt gebracht hat, ist sie kaum aus ihrer Wohnung gekommen. Das Stillen und die Angst um ihr Wunschkind hält sie in der kleinen Wohnung gefangen. Ausgerechnet in dieser Zeit, hat Juval in seiner Abwesenheit einen arabischen Handwerker bestellt, der den kleinen Balkon reparieren soll. Naomi fühlt sich in dessen Anwesenheit zwar nicht wohl, möchte jedoch nicht unfreundlich sein. Während sie für ihn Kaffee kocht, ereignet sich ein tragischer Unfall. Uri schmeisst den Hammer des Arbeiters vom Balkon, ein unbeteiligter Teenager stirbt. Verdächtigt und verhaftet wird der palästinensische Handwerker, die jüdische Mutter Naomi verschweigt aus Angst und Schuldgefühlen die Wahrheit. Die Konsequenzen verfolgen die junge Familie allerdings sogar noch, als sie von Israel nach Lagos in Nigeria umzieht.
Ein Moment der Unachtsamkeit und ein tragischer Unfall verändert das Leben dreier Familien: Naomis und Juvals, die Familien des getöteten Jungen des verhafteten Vaters. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Schuld, Moral, Rache und Fremdenhass. Die Wege der Figuren kreuzen sich immer wieder und wer zuerst Hauptfigur ist, wird danach zu einer Nebenfigur, bevor sie wieder im Mittelpunkt steht.
Der Schreibstil ist dicht, der Handlungsaufbau sehr anspruchsvoll. Sehr geschickt verpackt die Autorin gesellschaftskritische und zwischenmenschliche Nuancen in Israel und Nigeria, in dem sie aus dem Schweigen Naomis, Projektionen und Alltagsrassismus eine explosive Atmosphäre schafft, die die Spannungen zwischen Arabern und Juden in der israelischen Gesellschaft gut sichtbar machen.
Ein nachdenklich stimmender Roman, der lange nachhallt. Einzig die Übersetzung könnte an manchen Stellen nachdrücklicher sein.