Pompeji oder Die 5 Reden des Jowna
Als auf einem Berg oberhalb der Stadt Pompeji tote Vögel gefunden werden, hat der Zuwanderer Jowna alias Josephus alias Josse eine Eingebung: Wenn da wirklich ein Vulkan grollt, wie von manchen behauptet wird, sollte man das Weite suchen. Ohne Schulbildung, Geld und Einfluss gelingt es ihm, sich an die Spitze einer Aussteigerbewegung zu setzen. Bald fürchtet das Stadtoberhaupt Fabius Rufus, die Vulkangerüchte könnten Pompeji schaden. Erst als sich ein paar wohlhabende Bürger für die Gründung einer neuen Siedlung zu interessieren beginnen, die in sicherer Entfernung am Fenster des Meeres liegt, schaltet sich Livia ein, die mächtigste Frau der Stadt. Allmählich wird der Aussteiger Josse zum Aufsteiger. Seine Weggefährten mit ihrer Schwäche für Fliegenpilzsud und Philosophie werden ihm zur Last, die eigenen Ideen fangen an, ihn zu stören. Doch wie wirft man Überzeugungen über Bord, ohne seine Anhängerschaft zu verprellen? Wie macht man eine Kehrtwende, ohne sich zu drehen?
Eugen Ruges ›Pompeji‹ ist eine Erfindung, die auf geschichtlicher Wahrheit beruht und zugleich durch ihre Gegenwärtigkeit verblüfft: die Geschichte einer verhängnisvollen Verblendung im Vorfeld einer Katastrophe. Eine schillernde Parabel über Verführbarkeit, Verrat und Wahn.


Lieselotte Stalzer –
Der Inhalt des Romans ist schnell erzählt. Auf einem Berg oberhalb der Stadt Pompej werdeni tote Vögel entdeckt. Jowna denkt: Wenn da ein Vulkan erbost ist, wie von manchen behauptet wird, muss man das Weite suchen. Durch geschicktes Kopfnicken, Meinungswechsel zum richtigen Zeitpunkt und Manipulation als Redner kommt er zu einer immer grösseren Zahl von Anhänger und an die Spitze einer Aussteigerbewegung. Bald fürchtet das Stadtoberhaupt Fabius Rufus, die Vulkangerüchte könnten Pompeji schaden, aber erst als auch einer der reichen Bürger auf die Reden Jownas hört und die Gefahr als real ansieht, schaltet sich Livia ein, die mächtigste Frau der Stadt. Jowna, der den verhängnisvollen Vulkanausbruch vor Augen hat, lässt sich von Livia mit Aussicht auf Ruhm und Geld einspannen und schwenkt auf eine „Leben mit dem Vulkan“ um.
Für Freunde historischer Romane ist das Buch von Beginn an leicht zu lesen, für viele andere, ist der Anfang etwas schwierig. Es lohnt sich jedoch weiterzulesen, denn die Handlung hat durchaus Aktualität im Hinblick auf gegenwärtige Krisen. Ruges Sprache lässt einen faszinierenden (historischen) Roman entstehen, der eine Mischung aus Gesellschaftskritik und Satire, der zwar zur Zeit des Ausbruchs spielt, aber auf die heutige Zeit anspielt. Durch die Figurenzeichnung Jownas entsteht eine zeitgemäße Parabel auf die Entscheidungsunfähigkeit der Politik in der Gegenwart.