Meine Liebe stirbt nicht
»Ich wollte die erschütterndste Liebesgeschichte erzählen, auf die ich je gestoßen bin.« Nach »Falcone« ein neuer mitreißender Roman von Roberto Saviano
Rossella Casini, eine zwanzigjährige Frau aus Florenz, verliebt sich Hals über Kopf in Francesco, einen Studenten aus Kalabrien. Was sie nicht weiß: Er stammt aus einer mächtigen Familie der ’Ndrangheta. Als sie in sein Heimatdorf reist, bricht eine gewaltsame Familienfehde aus. Rossella flieht nicht, sie will kraft ihrer Liebe Francesco dort herausziehen. Doch auf einmal verschwindet sie spurlos. Nach dem Erfolg von »Falcone« erzählt Roberto Saviano die wahre Geschichte einer leidenschaftlichen, mutigen Frau und macht erneut aus Fakten große Literatur.


Lieselotte Stalzer –
Palmi, in der Nähe von Reggio di Calabria, ist ein schöner Ort. Sehenswürdigkeiten, Strände und Top Hotels werben mit diesem Ort. Roberto Saviano zerstört diese Idylle mit seinem neuen Roman „Meine Liebe stirbt nicht“. Der Roman erzählt die Geschichte von Rossella Casini, einer Psychologiestudentin aus einer mittelständigen Florentiner Familie. Sie verschwand 1981, nachdem sie sich in Francesco Frisina, den Sohn einer mächtigen Familie der kalabrischen ‘ndrina, verliebt hatte und ihn überredete, gegen die Mafia auszusagen.
Die Erinnerung an diese mutige junge Frau, die mit ihren Entscheidungen das Schweigen der Mafia auf Grundlage ihres freien Gewissens herausforderte, vereint die Toskana und Kalabrien, Florenz und Palmi. Die ganze Dimension des Romans spiegelt sich zwischen den Spitznamen der beiden Figuren: Francesco `u Principinu und Rossella, die Fremde. Ihre Liebe könnte Barrieren überwinden, wäre da nicht der Hass unter den Familien. „Wer Beute ist und wer nicht, entscheidet sich erst, wenn die Leichen am Boden liegen.“
Roberto Savianos Schreibstil ist mitreissend, entschlossen (wie Rossella!) und klar. Das Buch lässt das Ende offen und bietet drei verschiedene Epiloge über eine wahre Geschichte, die immer noch ein ungelöster Fall ist, an. Das Schicksal in einem Satz ausgedrückt den die Schwester Francescos zu Rossella sagt: „Noi stiamo bene come stiamo. Noi questo siamo.“
Ein weiterer Satz, der die politischen Spannungen und die Gewalt der bleiernen Jahre in Italien zwischen 1977 und 1981 treffend ausdrückt: „Die Realität ist nicht das Gleiche, wie die Wahrheit, die Realität ist eine Hure, die sich mit jedem einlässt“.
Dem Roman ging eine sorgfältige Vorarbeit mit Prozessakten, Zeugenaussagen und anderen Quellen voraus. Unter der Website Faida di Palmi – Wikipedia kann man den Umfang der Familienfehde erahnen (nachlesen wäre zu wenig ausgedrückt). Rosella Casini ist ein WiKipedia Eintrag gewidmet.
„Meine Liebe stirbt nicht“ ist ein Roman, der eine brutale Geschichte erzählt, eine Geschichte gegen das Vergessen. Absolut lesenswert, aber stellenweise nichts für schwache Nerven.