Malé

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Alle Versuche, die Malediven vor dem steigenden Meeresspiegel zu retten, sind gescheitert, Pauschaltouristen haben sich neue Ziele gesucht, und der Großteil der Bevölkerung musste die Inseln verlassen. Gleichzeitig ist die heruntergekommene Hauptstadt Malé zum Ziel all jener geworden, die nach einer Alternative zum Leben in den gentrifizierten Städten des Westens suchen. Und so wird die Insel für die kurze Zeit bis zu ihrem Untergang zur Projektionsfläche für Aussteigerinnen, Abenteurer und Utopistinnen, zu einem Ort zwischen Euphorie und Albtraum, in dem neue Formen der Solidarität erprobt werden und Menschen unauffindbar verschwinden. Mit »Malé« fängt Roman Ehrlich die komplexe Stimmungslage unserer Zeit ein und verwebt die Geschichten rund um die Sehnsüchte und das Scheitern seiner Figuren zu einem Abbild all der Widersprüche, die das Leben zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausmachen.

Autor: Roman Ehrlich ISBN: 978-3-10-397221-4 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Fischer , 2020
Hardcover , 288 Seiten
Produkt-ID:5605

1 Bewertung für Malé

  1. Bewertet mit 4 von 5

    Lieselotte Stalzer

    Der Inselstaat der Malediven war ein beliebtes Ziel von Touristen. Doch der wachsende Wohlstand der Bevölkerung hat auch gravierende ökologische Probleme mit sich gebracht. Alle Bemühungen den Archipel vor dem steigenden Meeresspiegel zu retten sind gescheitert. Reisende haben sich anderen Urlaubszielen zugewandt und auch ein Großteil der Einheimischen musste die Insel nach dem Sturz der Regierung verlassen.
    Vor der Insel, auf einem verlassenen Kreuzschiff, regieren die „Eigentlichen“. Sie sind bewaffnet und beliefern die auf der Insel lebenden „Anderen“ mit lebensnotwendigen Dingen. Die „Anderen“, das sind Aussteiger und Geflüchtete aus aller Welt, die vor äußeren und inneren Zwängen, Normen und Regelungen geflüchtet sind und unterschiedliche Vorstellungen über ihr neues Leben haben. „Aus dieser Konstellation hat sich über die Jahre nach dem Sturz der Regierung und der Ankunft der Ausgestiegenen eine unausgesprochene, wechselseitige Verachtung herausgebildet, die niemand offen adressiert und die umso unauflösbarer wird, je länger sie fortbesteht.“
    Bindeglied zwischen diesen beiden Gruppen ist der „Professor“, der die „Konditionen und Tarife dieser (Anm.: Lebensmittel, Trinkwasser, Trockenshampoo etc.) Lieferungen“ aushandelt und „unter den Eigentlichen einen Status der Duldung“ genießt.
    Roman Ehrlich hat seine Figuren auf ihre Rollen bzw. Tätigkeiten reduziert, die sie in ihrem früheren Leben eingenommen haben. „Literaturwissenschaftlerin“, „Schauspielerin“ (und deren Vater auf der Suche nach ihr), „Regisseurin“, „Schiffskoch“. Was sie in/von Malé erhoffen, erfährt die Leserin/der Leser nur rudimentär.
    Für mich als Rezensentin stellt sich die Frage, ob sich das komplexe und oft widersprüchliche Leben der heutigen Zeit (und jenes der Gesellschaft) in den ProtagonistInnen des Romans widerspiegelt und/oder ob es auch vorsichtig auf Möglichkeiten hinweist, die wir großteils noch nicht hinreichend reflektiert haben.
    „Malé“ kann man nicht vor dem Einschlafen lesen. Es ist kein entspannendes Buch, denn sowohl die oft lautmalende und detailreiche Sprache, als auch die (gewollt?) fehlende Identifikation mit einer der ProtagonistInnen, fordert Aufmerksamkeit. Zusammenfassend kann man das Buch als würdigen Anwärter auf den Deutschen Buchpreis bezeichnen. Oberflächlich betrachtet dem Genre „Climate Fiction“ zuzuordnende Lektüre, die deutlich mehr ist, aber eine Herausforderung an die Konzentration für Leserinnen und Leser darstellt.

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