Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus

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Die sechsundzwanzigjährige Ise Frank, Tochter einer großbürgerlichen jüdischen Familie, beginnt im München der frühen 1920er-Jahre eine Karriere als Buchhändlerin und Rezensentin. Ihr Leben erfährt eine neue Wendung, als sie den Architekten und Bauhausgründer Walter Gropius kennenlernt. Heute ist ihr Name vergessen: Doch Ise Frank war weit mehr als die Ehefrau von Walter Gropius und Sekretärin der berühmten Architektur- und Designschule. Als Journalistin und Autorin bestimmte sie den Kurs des Bauhauses entscheidend mit. Vor allem aber stellte sie sicher, dass seine bahnbrechenden Gestaltungs- und Lehrideen in der Nazizeit – und auch danach – nicht in Vergessenheit gerieten. Ise Frank, nur scheinbar Randfigur, tritt in diesem biografischen Roman erstmals in den Mittelpunkt.

Autor: Jana Revedin ISBN: 978-3-8321-8354-7 Kategorien: , Schlüsselworte: ,
Dumont , 2019
Hardcover , 304 Seiten
Produkt-ID:3820

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  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    Vor 100 Jahren gründete der Architekt Walter Gropius das Staatlich Bauhaus in Weimar. Einzigartig, und das erkennt man auch an der Namen der Lehrbeauftragten an dieser Institution, war eine Synthese von Handwerk, Kunst und Architektur. Im Jubiläumsjahr sind nicht nur Kunstbücher der Idee Bauhaus gewidmet, sondern auch einige Romane, wie jener von Jana Revedin. Es ist die Geschichte über das Leben der Ise Frank, der zweiten Ehefrau von Walter Gropius.
    Ise lernt den Architekten bei einem Vortrag in München kennen, bei dem Gropius seine Lehre skizziert. „In die Mitte des Kreises schrieb er das Wort BAU…. Um diesen BAU-Kreis herum zeichnete er einen zweiten, größeren Kreis. … In diesen Kreis schrieb er die Material-Resourcen des Bauens ….“ (Am.: der hier erwähnte Kreis kann auf Wikipedia unter dem Schlagwort ´Bauhaus` abgerufen werden) Nach dem Vortrag, Ise und ihre Freundin Lise entführen den Architekten aus der Traube an Hörerinnen und Hörern, besucht die kleine Gruppe ein Café. Der Architekt ist fasziniert von Ises Begeisterungsfähigkeit und besucht sie in den kommenden Monaten mehrmals in München, wo diese in einem Verlag arbeitet.
    Im Sommer 1923 lädt Gropius Ise zur Bauhaus Ausstellung nach Weimar ein. Sie fühlt sich in den Werkstätten wohl und begreift schnell die bahnbrechende Lehre Gropius. Nach diesen Tagen wird schnell klar: „Heiraten Sie mich, bitte! Ich weiß, ich bin ein gebrauchtes Modell und ich kann Ihnen nichts versprechen … Nicht einmal ein Haus.“ „Das würden Sie uns schon bauen?“ Mit diesen Worten hat Ise den Heiratsantrag angenommen und als `Frau Bauhaus` angesprochen. In den kommenden Jahren unterstützt sie Gropius bei seinen vielen Projekten und ist maßgeblich daran beteiligt, seine Lehre zu verbreiten.
    Revedin portraitiert Ise als eine aufgeschlossene Frau, die sich nie in den Vordergrund stellt. Sie pflegt besondere Freundschaften, etwa zu der Fotografin Irene Hecht oder zu ihrer Schwiegermutter Manon Gropius. Die schwere Krisen, zwei Bankrotts des Bauhauses 1923 in Weimar, 1928 in Dessau und eine Fehlgeburt übersteht sie tapfer. Über die Fremdgänge ihres Mannes sieht sie hinweg.
    Das Musterhaus am Horn, ist das einzige in Weimar fertiggestellte Werk des Bauhauses. Die Siedlung der „Meisterhäuser“ konnte erst in Dessau realisiert werden. Wer waren nun die weiteren Protagonisten dieser Zeit und somit in diesem Roman? Das „Staatliche Bauhaus“ war von Walter Gropius als Zusammenarbeit gedacht, in der die Unterscheidung zwischen Künstlern und Handwerkern keine Rolle spielen sollte. Als Lehrer wurden verpflichtet: Lyonel Feininger, Johannes Itten, Gerhard Marcks, Paul Klee sowie Wassily Kandinsky, um nur einige zu nennen. Zwei Künstler, zwei Entwicklungen: Herbert Bayer (die neue Schrift `Universal` für die Bauhaus Plakate) Marcel Breuer (kreiert den sog. Freischwinger, das erste Modell der modernen Stahlrohrmöbel)
    Das Zeitkolorit der 1920er Jahre wird lebendig erzählt. 1934 emigriert die Familie Gropius, auch zahlreiche Bauhaus Mitglieder, die, vorwiegend jüdischer Herkunft, von der NSDAP bereits als „Judenbande“ bezeichnet werden verlassen Deutschland. Wie ihr Leben weiterging wird kurz erzählt. Der Schreibstil wird weniger bildreich, mehr dokumentarisch.
    Lesenswert sowohl für architektur- und kunstbegeisterte Leserinnen uns Leser. Ein einfühlsamer Einstieg in die zahlreiche Bauhaus Literatur im Jubliäumsjahr.

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