Guter Mohn du schenkst mir Träume

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Im Shanghai der 20er-Jahre versucht der Icherzähler herauszufinden, was hinter dem Tod seines Freundes steckt. Ein Roman über einen Schelm, der vom Analphabeten zum Intellektuellen wird, ein Krimi, ein Porträt einer Stadt, von der Aldous Huxley meinte, sie sei das pure Leben, ein Drama über historische Ereignisse – trotzdem aktuell.
Shanghai 1927: Das Leben ist hart in den Elendsvierteln jenseits des Huang Pu. Da, wo die Hütten der ganz Armen stehen. Wen Pi als Ältester von neun Geschwistern hat zu tun, die ganze Familie satt zu kriegen, mit Betteln und Stehlen und möglichst ohne von der Polizei erwischt zu werden. Einzige Freude: sich in der Gruppe mit der feindlichen Gang zu prügeln. Bis eines Tages der kleine Hu aus der Bande tot ist: erschossen. Und er ist nicht der einzige Junge, der, noch bevor er ein Mann ist, diese Welt verlassen muss. Die Behörden interessieren sich nicht für die Morde. Ohnehin gehören die Chefs zum Teil selbst der örtlichen Triade, der Green Gang, an, und zum anderen überstürzen sich die politischen Ereignisse. Die kommunistischen Gewerkschaften sind inzwischen so stark, dass sich nicht nur die lokalen Warlords, sondern auch die großteils westlichen Kapitalisten bedroht fühlen. Allerorten gibt es größere und kleinere Streiks. Ende März/Anfang April ist ein Generalstreik geplant, den auch Chiang Kai-shek offiziell unterstützt. In Wirklichkeit aber hat er geplant, die Kommunisten zu entmachten. Gemeinsam mit der Armee der Green Gang überfällt er die Gewerkschaften und verübt ein Massaker, dem Tausende zum Opfer fallen. Es folgt die Zeit des weißen Terrors. Die Kommunisten werden gejagt, inhaftiert, umgebracht. Die Partei muss in den Untergrund gehen. Mit einer neuen Struktur und anderen Leuten an der Spitze will sie sich reformieren. Der Weg scheint frei für einen Mann, der vor allem die Bauern für die Revolution gewinnen will: Mao Zedong. Doch vorerst soll er in den Herbsternteaufständen die gegnerischen Truppen vernichten.

Autor: Clementine Skorpil ISBN: 978-3-85409-769-3 Kategorien: , Schlüsselwort:
Loecker , 2015
Softcover , 287 Seiten
Produkt-ID:696

1 Bewertung für Guter Mohn du schenkst mir Träume

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    Die Handlung entwickelt sich nicht nur in einem ausgewogenen Spannungsbogen, sondern verdichtet sich durch Zitate aus Tolstois Anna Karenina am Anfang einzelner Kapitel. Lou, der Wen Pi diesen Roman zum Lesen gibt, bezeichnet ihn als Liebesroman, der die „gesellschaftspolitische Situation im vormodernen Russland“ erzählt. Parallelen zu den Geschehnissen während der 1920er Jahre in Shanghai bieten sich dem Leser an.
    Die Unmittelbarkeit des Erzählstils wird getragen von der liebevollen Zeichnung der Figuren (auch der Bösewichte). Ihre Namen sind für deutschsprachige Leserinnen und Leser leicht zu merken. Sollte man sich einmal doch nicht mehr mit den ähnlich klingenden Namen auskennen, kann man in einem Namensregister nachschlagen.
    Ein unverwechselbares und unvergessliches Ermittlertrio, von dem man bald wieder lesen möchte.

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