Für immer die Alpen

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Staatsfeind Nummer 1 zu sein ist nicht leicht. Das gilt auch dann, wenn dieser Staat einer der kleinsten der Erde ist: das Fürstentum Liechtenstein. Johann Kaiser, Sohn eines Fotografen, Weltenbummler, Meister der Manipulation, lebt unter falschem Namen an einem unbekannten Ort. Mit dem Verkauf gestohlener Kundendaten einer großen Bank hat er so gut verdient, dass es sich unbesorgt leben ließe – wären da nicht die Verleumdungen aus seiner Heimat, die aus ihm einen Verräter machen wollen. Im Versuch, die Deutungshoheit über sein Leben zurückzuerlangen, greift Johann zu Stift und Papier.

Benjamin Quaderer hat einen tollkühnen Debütroman geschrieben über die Macht des Geldes und die Macht des Erzählens. Das Porträt eines Hochstaplers, der die Gesellschaft spiegelt, die er betrügt.

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Auch als Hörbuch erhältlich, gelsen von Johann Bülow

Autor: Benjamin Quaderer ISBN: 978-3-630-87613-9 Kategorie: Schlüsselwort:
Luchterhand , 2020
Hardcover , 592 Seiten
Produkt-ID:5052

1 Bewertung für Für immer die Alpen

  1. Bewertet mit 4 von 5

    Mizzi M. Riedl

    „Um verstehen zu können, wieso ich gehandelt habe, wie ich gehandelt habe, muss ich nicht nur ein umfassendes Bild meiner Person und meiner Lebensgeschichte, sondern gleichzeitig der Rahmenbedingungen zeichnen, in denen ich mich hin und her geworfen fand wie eine Kugel in einem Flipperautomaten.“ Dieses Zitat findet sich am Beginn des nahezu 600 Seiten umfassenden Debutromans von Benjamin Quaderer, der an den realen Liechtensteiner Finanzskandal rund um Heinrich Kieber anknüpft.
    Johann Kaiser kommt 1965 in Liechtenstein zur Welt. Nach der frühen Trennung seiner Eltern, wächst Johann in einem Kinderheim auf, flüchtet von dort in einem entwendeten Moped und überquert damit die Alpen, auf der Suche nach seiner Mamá. Er erfindet eine neue Identität und gibt vor, Johann Hilti, Sohn aus der wohlhabenden Bohrmaschinen-Dynastie zu sein. Ein Jahr verbringt er in einer Eliteschule und erhält dadurch Zugang zu den besten Familien der Stadt.
    Nach einem Jahr kehrt er in seine Heimat zurück, macht eine kaufmännische Lehre, arbeitet er einige Jahre für die Fluglinie Swiss Air. Johann wird nicht nur einmal bei seinen verschiedenen Betrügereien ertappt, erwischt wird er zunächst nicht.
    In seinem Job bei der liechtensteinischen LGT-Bank, der Bank des Fürsten fällt ihm bei der Digitalisierung von Kundendaten auf, dass das liechtensteinische Bankgeheimnis vermögende ausländische Kunden zur Steuerhinterziehung anlockt. Tausende personenbezogene Daten kopiert er zu seiner Absicherung, denn die spanischen Behörden bestehen wegen eines Immobilienbetrugs auf seiner Auslieferung: Heikle Steuerdaten im Austausch gegen das Ausbleiben von Konsequenzen aus Spanien. Hier beginnt der Roman, der bislang eine temporeiche Lebensgeschichte eines Hochstaplers erzählt hat, zu einem Thriller zu werden.

    „Für immer die Alpen“ kann man als Echo der realen Vorkommnisse bezeichnen, die mit dem Ende des Romans ein vorläufiges Ende gefunden haben, denn der Datendieb, der letztendlich zum Datendealer wurde, lebt derzeit in einem Zeugenschutzprogramm.

    Benjamin Quaderer hat mit viel Freude am Fabulieren reale Ereignisse und fiktive Elemente zusammengeführt, sowie Sozialkritik („Die Ställe von früher waren die Finanzinstitute von heute“) und Regionalgeschichte geschickt arrangiert. Johann Kaiser ist trotz seiner Lügen und Betrügereien eine Figur, die eine gewisse Sympathie genießt. Der Text ist anspruchsvoll und für einen Roman außergewöhnlich: Fußnoten, geschwärzte Textstellen die Geheiminformationen enthalten, die parallellaufende, in roter Schrift gesetzte Darstellung der Geschehnisse eines Kriminalpsychologen. Viele unerwartete Wendungen machen den Roman zu einem fesselnden Leseerlebnis, das jedoch mit den formalen Herausforderungen (s.o.) den Lesefluss immer wieder ins Stocken bringt. Ausprobieren zu lesen, durchhalten oder bald weglegen.

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