Die Linkshänderinnen
Drei gesellige Frauen, eine Bar und ein schicksalhafter Abend für ihre Gäste
Nichts außer der Linkshändigkeit verbindet die drei Frauen. Doch das genügt. Und führt dazu, dass aus einer kurzen Begegnung eine lange Unternehmung entsteht – eine kleine Cocktailbar, in der alles mit links erledigt werden kann. Der geschmackvollen Inneneinrichtung sowie dem Gespür für das richtige Getränk verdanken die drei es, dass sie zur landesweiten Institution werden. Bis eines Abends 35 französische Gäste aus ihrer Obhut verschwinden. – „Die Linkshänderinnen“, von heiterer Originalität durchweht, beginnt mit einem Moment überraschender Gewalt und endet, das darf man sagen, im Glück.
„Die amüsanteste Literatur unserer Gegenwart.“ Denis Scheck


Lieselotte Stalzer –
Zwei randalierende Fluggäste sind der Auslöser für eine lustvolle Novelle von Heinrich Steinfest. Zwei Frauen müssen ob des Streits zwischen den beiden männlichen Fluggästen umgesetzt werden. Dadurch sitzen drei weibliche Fluggäste nebeneinander. Nichts Besonderes? Bei Heinrich Steinfest schon! Währens des langen Fluges kommen die drei Frauen ins Gespräch und suchen nach Gemeinsamkeiten, denn „Alles ist Plan“, es gibt keinen Zufall. Sie haben anscheinend nichts gemeinsam – bis das Essen serviert wird und sie plötzlich feststellen, dass alle Linkshänderinnen sind: Nora, Tilda und Ruth. Sie bleiben in Kontakt und bald wird aus dieser zufälligen Begegnung ein erfolgreiches Unternehmen. Die Ausstattung der Cocktailbar “Elsbeths Hoffnung“ ist an ihre Linkshändigkeit angepasst und serviert Cocktails mit klingenden Namen wie z.B. “Prousts gewonnene Zeit“, eine Anspielung an Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Eines Abends verlassen 35 Franzosen, Teilnehmer von zwei Kongressen, spätabends die Bar und verschwinden. Bei einer groß angelegten Suchaktion findet man hingegen nicht diese Teilnehmer, sondern einen Jungen, der vor einem Jahr verschwunden ist und einen wertvollen Ring. Mehr sei an dieser Stelle nicht erwähnt, um das Lesevergnügen, das jedem Heinrich Steinfest Roman innewohnt, nicht zu schmälern.
Wie alle Texte des Autors werden auch in der Novelle „Die Linkshänderinnen“ sonderliche Geschehnisse erzählt, die, einzeln betrachtet, vollkommen normal sind. Die Verbindung dieser Elemente macht jedoch den Sog der Steinfest´schen Schreibstils aus. Die Auflösung, wie eine derart große Gruppe sich scheinbar in Luft auflösen konnte, ist gewohnt kurios und war an keiner Stelle der Novelle vorhersehbar.
Interessant ist auch v.a. die erste Fußnote, die eine Geschichte innerhalb des Textes darstellt und auch als mögliche Veröffentlichung in erweiterter Form von Heinrich Steinfest nicht ausgeschlossen wird. Im „Versprochenen Nachwort“ beginnt ein Autor die Geschichte des Rings (s.o.) zu erzählen; eine Parabel über moralische Grundsätze der heutigen Zeit. „Es war zwanzig Jahre später, als ein Autor namens Karl Semrad, in Elsbeths Hoffnung trat. Das war der Schließtag, ein Samstag. Was als ziemlich gewagt gelten konnte, ausgerechnet an diesem Wochentag die Bar zuzulassen … aber die Elsbeth Frauen hatten gewissermaßen den Tag, der von ihrem Standpunkt aus links vom Sonntag lag gewählt“. Sie bereiten dem Autor den damals erfundenen Cocktail „Trente-six personnes rencontrent une sainte bleu“ zu, der „ein wenig aus der Mode gekommen war …, während die immer perfekteren alkoholfreien Cocktails zu einer Dominanz gefunden hatten, wie zuvor die künstliche Intelligenz, diese Mimikry des Geistes “.
„Was für eine irre Geschichte!“ Mit diesen Worten kann man den kurzen Text beschreiben. Langsam lesen, das Vergnügen lustvoll genießen. Hoffentlich erscheint bald wieder ein Roman von Heinrich Steinfest.