Die Ibiza-Affäre

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Bastian Obermayer, geboren 1977, ist Leiter des Ressorts Investigative Recherche bei der Süddeutschen Zeitung und ebenfalls Mitglied des ICIJ. Für seine Reportagen und Recherchen erhielt er unter anderem den Theodor-Wolff-Preis, den Henri-Nannen-Preis, den Wächterpreis sowie – für die »Panama Papers« – den Pulitzer-Preis. Neben anderen Büchern veröffentlichte er bei Kiepenheuer & Witsch »Bruder, was hast Du getan?« sowie – zusammen mit Frederik Obermaier – den internationalen Bestseller »Panama Papers. Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung«.

Autor: Bastian Obermayer, Frederik Obermaier ISBN: 978-3-462-05407-1 Kategorie: Schlüsselwort:
Kiepenheuer & Witsch , 2019
Softcover , 272 Seiten
Produkt-ID:4502

1 Bewertung für Die Ibiza-Affäre

  1. Bewertet mit 2 von 5

    Ernst A. Swietly

    4 Stunden und 22 Minuten, die Österreich verändert haben
    „Ibiza“ wurde von gut 7.500 Personen zum „Wort des Jahres 2019“ gewählt; „b`soffene G`schicht“ gleichzeitig zum „Unwort des Jahres“. Dahinter wittern Massenmedien und Buchverlage ein lukratives Geschäft. Wer annimmt, dass das Buch „die Ibiza-Affäre“ alle Hintergründe dieser peinlichen Angelegenheit offenlegt und sowohl die Lockvögel als auch die Drahtzieher enttarnt, die sie gestartet und durchgezogen haben, wird enttäuscht: Weder werden die Quelle(n) und der/die Initiator(en) des Videos aufgedeckt, noch dessen Macher, noch die Ziele, die erreicht werden sollten. Dafür erfährt man minutiös, wie investigativer Journalismus funktioniert, wie Undercover-Reporter auf der Jagd nach Sensationen vorgehen, wie sich moderne Aufdecker zu international vernetzten Recherchekartellen zusammenschließen, um korrupte Politiker, Machthaber und Konzernchefs auffliegen zu lassen. Nicht zuletzt lernt man, wie sich Aufdecker-Journalisten am liebsten ernähren: mit Manner-Schnitten, Almdudler und Red Bull.
    Der „Quellenschutz“ — das Nicht-Aufdecken der Hintermänner des 4 Stunden und 22 Minuten langen Ibiza-Videos, von zwei gut verborgenen Kameras in einer pompösen Villa auf der spanischen Ferieninsel mitgeschnitten — hat bei den Autoren Vorrang vor der rigorosen Aufklärung, wer womit und zu welchem Zweck diese politische Bombe vorbereitet, gezündet und deren Explosivkraft breitmöglichst gestreut hat. Das alles ist nach wie vor unklar.
    „Cui bono?“ fragte schon der römische Redner Cicero: „Wem nutzt das?“ Der Maximierung der Profite der Aufdecker und ihrer Verlage? Um verdächtigen Populisten einen Schuss vor den Bug zu feuern? Um Nachhilfe zur Läuterung demokratischer Ordnungen politischer Systeme zu geben? Alles das zusammen? Diese Fragen bleiben im Buch unbeantwortet.
    Viele Grammatik-, Rechtschreib- und Stilfehler im Text, wie sie Journalisten von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ nicht unterlaufen dürften, zeigen, dass das Buch mit hoher Eile und wenig Selbstkritik hingehudelt wurde. Es mangelt oft an Präzision. Gehudelt wurde auch mit dem Untertitel „wie die geheimen Pläne von Rechtspopulisten enttarnt und darüber die österreichische Regierung stürzte“. Später aber wird zugegeben, dass ein Misstrauensantrag der oppositionellen SPÖ und der Pilz-Jetzt-Minipartei gemeinsam mit den koalitionären Freiheitlichen im Mai 2019 die amtierende Bundesregierung Kurz 1 gestürzt hat.
    Lobenswert ist, dass das Buch den Ablauf der Begegnung zwischen dem damaligen FPÖ-Parteichef H. C. Strache und dem Wiener Vizebürgermeister Johann Gudenus samt Frau Tajana einerseits mit den Lockvögeln Aljona Makarowa, der vorgeblich milliardenschweren Nichte eines Putin-nahen russischen Oligarchen, und deren Begleiter-Berater in allen inhaltlichen, sprachlichen und alkoholseligen Details schildert. HC betont eingangs mehrfach, er sei immer sauber gewesen und verabscheue Bestechlichkeit; später macht er in der spanischen Finca mehrfach Vorschläge für korrupte Geschäfte: Kauf der Hälfte der Kronen-Zeitung, Verlagerung staatlicher Bauaufträge weg von Haselsteiners Strabag hin zur Oligarchennichte und Verscherbelung österreichischen Trinkwassers gegen üppige Wahlkampfspenden. Als vorgeblicher Saubermann, als der sich Strache sieht, und als gewiefter Politiker hätte er – betonen die Autoren zu Recht – nach wenigen Minuten die konspirative Aussprache verlassen müssen. Dass sie das unterließen, sei ihr eigentlicher politischer Fehler gewesen.
    Schließlich resumieren die Autoren Obermaier und Obermayer: „die Jagd auf die Hintermänner ist amtlich eröffnet“. Jawohl, aber geholfen haben sie mit ihrem Buch dabei keineswegs. Sie haben lediglich einen Beitrag dazu geleistet, führenden Politikern Moral und Verantwortungsbewußtsein abzusprechen. Ob diese dadurch besser werden?

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