Café Royal

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Mailand im Sommer 2020: Die sonst so lebendige Via Marghera wirkt wie ausgestorben. Nur das Café Royal ist geöffnet. Man trifft sich vorsichtig, auf Abstand – und ist doch so froh, dass menschliche Begegnungen wieder möglich sind. Auch der Schriftsteller Michele hebt den Blick vom Bildschirm, verlässt das Haus und findet Gesellschaft, die seine Fantasie entfacht. Langsam kehrt wieder Leben in das Café Royal ein. Und in die Menschen, die es besuchen.

Autor: Marco Balzano ISBN: 978-3-257-07302-7 Kategorien: , Schlüsselwort:
Diogenes , 2024
Hardcover , 192 Seiten
Produkt-ID:9140

1 Bewertung für Café Royal

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    Ob in der U-Bahn, im Warteraum eines Arztes oder im Café: Viele Menschen beobachten andere heimlich und mit großem Interesse. Dabei unterschätzen sie, wie sehr diese sie auch im Blick haben. Diesen Denkfehler haben Psychologen als Tarnkappenillusion bezeichnet. Im Mittelpunkt von Balzanos Roman stehen siebzehn Figuren, die einander beobachten, ausspionieren; ein Verhalten, das vielleicht in der Zeit der Covid-Pandemie noch häufiger aufgetreten ist als davor und danach. Sie tun das im Café Royal an, einem Café in der Via Marghera in Mailand.
    Die Figuren sind Männer und Frauen, deren Geschichten sich überschneiden und zu Begegnungen führen, deren Ziel eben das einladende Café Royal ist. Da ist z.B. Betti, Mutter von drei Kindern, die allein unter den Augen einer Kamera lebt, unter der Kontrolle der Kinder, die sich nicht um ihre Mutter kümmern wollen und auf diese Weise ihr Gewissen zu beruhigen versuchen.
    Eine weitere Figur ist Noemi. Sie sitzt mit Freunden in der chinesischen Bar vor dem Café Royal und kritisiert ungesehen ihre Mutter in Gesellschaft von Gleichaltrigen im Café, die ihrerseits beiläufig über ihre Tochter sprechen und nicht mit Klatsch und Tratsch gespart haben. Alle Charaktere haben eines gemeinsam: Sie stehen vor Veränderungen, stecken in einer Krise, mit zerbrochenen Träumen, einer existenziellen Wendung. Alle Geschichten sind sehr kurzgehalten. Als Leser:in erkennt man schnell die sich überkreuzenden Lebenslinien, die die Figuren einander näherbringen oder trennen.
    Balzanos Blick ist aufmerksam und neugierig, nie jedoch voyeuristisch. Er ermöglicht, sich mit den sehr unterschiedlichen Menschen zu identifizieren und den Blick für andere Standpunkte zu öffnen. Der Autor erzählt mit diesem Buch von uns allen. Er repräsentiert darin unsere Gesellschaft, unsere Familienstrukturen und sozialen Beziehungen. Wir können mit jeder Figur unser eigenes Verhalten reflektieren.
    Dieser Roman ist absolut lesenswert!

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