Radio Girls
London, 1926, der Krieg ist vorbei, die aufregende Energie der Veränderung flirrt durch die Luft. Die junge Amerikanerin Maisie hat einen Job bei dem gerade erst gegründeten Rundfunksender BBC ergattert. Sie ist elektrisiert vom hektischen Tempo, den jungen klugen Mitarbeitern und einschüchternden Chefs. Sie entdeckt ihre Leidenschaft für das Radio und trifft auf die außergewöhnliche Hilda Matheson, die Gründerin des beliebten Talk-Programms, die ihr zur Mentorin wird. Als die beiden jedoch eine schockierende Verschwörung aufdecken, müssen sie sich entscheiden: Wie weit gehen zwei engagierte Journalistinnen für die Wahrheit?


Lieselotte Stalzer –
Der Erste Weltkrieg ist einige Jahre vorbei, London, man schreibt das Jahr 1926. Die Gesellschaft ist im Umbruch, v.a. die Frauen definieren ihre Rolle neu, wollen unabhängig von ihren Männern sein, arbeiten und das Wahlrecht erhalten. Die in Amerika aufgewachsene Maisie Musgrave bewirbt sich als Sekretärin bei der vor Kurzem gegründeten British Broadcasting Corporation – BBC – und bekommt einen dieser begehrten Posten auch. Ihr Aufgabenfeld ist einerseits das Abtippen von Manuskripten für den Generaldirektor John Reith. Andererseits arbeitet sie der modernen und aufgeschlossenen Programmdirektorin Hilda Matheson zu, die mit z.T. provokanten Themen und dem bisher unüblichen Radioformat des Interviews, aktuelle und brisante gesellschaftspolitische Fragen aufgreift.
Dank Hilda Matheson, die die Rolle einer Mentorin für die junge Maisie übernimmt, entwickelt sich diese von einer schüchternen und unsicheren, zu einer selbstsicheren Frau, die im wachsenden BBC Betrieb bald eigene Aufgaben innehat und ihr Potenzial erkennt. Auch im Kampf um Emanzipation steht sie, gemeinsam mit einigen Kolleginnen an vorderster Front. „Sie schrieb ein dickes X, fuhr es zweimal nach und ließ den Zettel in die Wahlurne fallen. So buchstabiert man einen Aufschrei. Mit einem X.“
Sarah-Jane Stratford hat einen elektrisierenden Roman geschrieben, der nicht nur den schnellen und fieberhaft tätigen Betrieb der BBC auffängt, sondern auch das Konfliktpotenzial zwischen Männern und berufstätigen Frauen sichtbar macht. Die Autorin thematisiert auch das langsame, aber stetige Aufkommen des Faschismus in Großbritannien und bezieht es direkt in die Handlung mit ein. Nicht nur die beiden tragen Figuren in der BBC (Reith, Matheson), sondern auch andere wie Vita Sackwell-West und Virginia Woolfe, Lady Nancy Astor, die erste weibliche Parlamentsabgeordnete oder John Maynard Keynes bilden den zeithistorischen Rahmen. Die Charaktere treten oftmals vor der Handlung in den Hintergrund.
„Radio Girls“ ist ein unterhaltsamer Roman, dessen geschichtliche Bedeutung dieser Epoche man auf den ersten Blick nicht erkennt. Schade. Lesenswert mit nachfolgender Personenrecherche.
Lieselotte Stalzer –
Unterhaltsame Lektüre
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