Deine kalten Hände

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Als der Bildhauer Jang Unhyong spurlos verschwindet, hinterlässt er eine Vielzahl außergewöhnlicher Gipsabdrücke von Händen und Körpern. Und ein Tagebuch, in dem er seine Suche im Leben und in der Kunst schildert: Nach einer von Eifersucht, Neid und Verrat geprägten Kindheit wird er zum Außenseiter und nähert sich Menschen nur in seiner Kunst. Als er einer jungen Studentin begegnet, die, stark übergewichtig, unter ihrem Körper leidet, sind es ihre Hände, die ihn faszinieren und von denen er zahllose Gipsabdrücke anfertigt. Nur langsam öffnet sich die junge Frau ihm und lässt einen Blick hinter die Maske ihres deformierten Körpers zu. Bald schon ist der Künstler getrieben von der Sehnsucht, ihr nahe zu kommen … Han Kang schreibt voller Zärtlichkeit und Intensität über die Suche nach Nähe und Wahrhaftigkeit in einer Welt voller Masken.

Autor: Han Kang ISBN: 978-3-351-03762-8 Kategorie: Schlüsselwort:
Aufbau , 2019
Hardcover , 312 Seiten
Produkt-ID:3748

1 Bewertung für Deine kalten Hände

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    Mizzi M. Riedl

    Auf einer Künstlerfeier lernt die Schriftstellerin H.den Bildhauer Jang Unhyong kennen. Seine Werke enstehen durch sogenanntes Life Casting, bei der eine dreidimensionale Kopie eines Körperteils entsteht. Diese realistischen Körperhüllen zeichnen sich durch hohe Detailtreue aus, bei der selbst Fingerabdrücke und Poren erkennbar sind.
    Der Bericht des Künstlers Jang Unhyong, ist als Binnenerzählung in eine Rahmenhandlung eingefügt, die von dieser Schriftstellerin erzählt wird. Einige Monate nachdem sie den Bildhauer kennengelernt hat, erfährt sie von dessen Schwester, dass er spurlos verschwunden ist und bekommt seinen Text zu lesen.
    Gemeinsam mit der Schriftstellerin, tauchen Leserinnen und Leser in Unhyongs Leben ein: Ein Fremder in seiner Familie, deren Gefühle ihm maskiert und undurchsichtig vorkommen, ein Außenseiter in der Schule. Er versteckt sich hinter unauffälligem Verhalten, verbirgt seine wahren Gefühle. Durch die Brille, die seine mangelnde Sehkraft ausgleicht, lernt er genau zu beobachten. Schönheit bekommt für ihn eine besondere Bedeutung. Er sucht sie dort, wo sie außer ihm niemand findet. „Auf diese Weise versuchte ich zum Inneren der Dinge vorzudringen, deren Äußeres man sehen, hören, riechen und berühren konnte.“ Unhyong entwickelt zu zwei seiner Modelle eine intensive Beziehung; der übergewichtigen Studentin L. und der unnahbaren, attraktiven Architektin E. Zwei Modelle, zwei Hüllen, die unterschiedlicher nicht sein können.
    Im Widerspruch zwischen äußerem Schein seiner Skulpturen und der bildhauerlichen Anonymität seiner Kunstwerke, entwickelt die koreanische Autorin einen Roman, der unheimlich, stellenweise verstörend ist, jedoch auch berührend, dort wo gefühlte Mauern zwischen den Figuren zu bröckeln beginnen. Schein oder Sein, eine Frage, die als Abbild der heutigen Gesellschaft gesehen werden kann, wird durch den Text Han Kangs auf einer in Mitteleuropa fremdartigen (koreanischen) Inszenierung auf die Bühne gebracht und in einen sehr spannenden Roman gegossen. Die Übersetzung von Kyong-Hae Flügel ist als ausgezeichnet zu nennen.

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