In Zeiten des blauen Lichts

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Sie träumt davon, eine solche Farbe zu erschaffen – jenes Blau des Mittelmeers zur Mittagszeit, wenn die Sonne über dem Wasser zersplittert. Ein grenzenloses Blau unendlicher Weite.

Paris, 1664: Alouette ist die Tochter eines Färbers in der berühmten Gobelin-Manufaktur. Sie hegt den Wunsch, eine einzigartige Farbe zu entwickeln – das Blau der Hoffnung. Aber als Frau ist es ihr verboten, das Handwerk ihres Vaters auszuüben. Nur im Geheimen kann sie an ihrer Rezeptur arbeiten. Bis sie sich sicher ist, die Formel des perfekten Blaus gefunden zu haben. Doch damit fordert sie die Männer der Zunft heraus und riskiert alles, was ihr wichtig ist, nicht zuletzt auch ihre Verbindung zu dem jungen Steinbrecher Étienne, mit dem sie das Glück – und den Kummer – einer großen Liebe erfährt.

Knapp drei Jahrhunderte später: Es sind dunkle Zeiten, und der junge Arzt Kristof versucht alles, um die Menschen in seiner Nähe zu beschützen. Dabei wird auf unerwartete Weise Alouettes Weg des Widerstands den seinen kreuzen.

Ein großer Roman über jene Stärke, die wir im Streben nach Freiheit in uns selbst finden, und ein einmalig faszinierendes Panorama von Paris

Autor: Paula McLain ISBN: 978-3-352-01029-3 Kategorien: , Schlüsselworte: ,
Rütten & Löning , 2026
Hardcover , 603 Seiten
Produkt-ID:10831

1 Bewertung für In Zeiten des blauen Lichts

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    McLain, bekannt beispielsweise für ihren Roman „Madame Hemingway“, kehrt mit einer Geschichte mit zwei Zeitlinien zur historischen Fiktion und der Gegenwart in Paris zurück.
    Im Jahr 2019 wurden die Pariser Kathedrale Notre-Dame, die historischen Kirchentürme zerstörte. Paula McLain beginnt die Tragödie in einen Roman zu verwandeln. Eine Restauratorin, die sich durch die Trümmer gräbt, findet „ein letztes Geheimnis“: eine bunte Glasscherbe, mit einem ungewöhnlichen blauen Farbton. In einer Ecke erkennt man einen kleinen Vogel, der sein Flügel weit ausgebreitet hat. Der Fund erinnert an ihren Großvater, der ihr oft über die Tunnel unter den Straßen von Paris erzählte und wo Revolutionäre und Flüchtlinge gemeißelte Vogelsymbole hinterließen, um andere durch die Dunkelheit in die Freiheit zu führen.
    Die alten Tunnelanlagen verbinden zwei Handlungsstränge. Der zeitlich ältere ist 1664 angesiedelt. Die Gobelin-Tapisseriegilde ist sehr mächtig und kontrolliert ihre Färber sehr genau. Selbst ein kleines Wort über Methoden oder Farbschemata, das nicht der Gilde gemeldet wird, ist Hochverrat und wird streng bestraft. Für Alouette, Tochter eines hochbegabten Färbers, ist das nur eine von vielen Ungerechtigkeiten. Viel mehr zählt, dass Frauen wie sie nichts zu sagen haben. Als sie versucht, die leuchtenden Blau- und Grüntöne nachzubilden, die sie sah, bevor er sie nach Paris zog, erkennt sie, wie riskant es ist, sich der Gilde zu widersetzen.
    Der zweite Handlungsstrang setzt in Paris 1939 ein. Die Bièvre, ein Seitenarm der Seine, wurde kanalisiert und ist unter den Straßen von Paris verschwunden. Was sich nicht verändert hat: die Vorurteile und der Hass, die einst die ärmsten Bürger plagten, sind lebendig und durch den Einmarsch der Nazis in Paris wieder aufgelebt. In dieser Geschichte lernen wir Kristof Larson kennen, einen niederländischen Mediziner, der seine Psychiatrie-Facharztausbildung am Hôpital Sainte-Anne beginnt.
    Es sind nicht nur die Katakomben von Paris, die beide Handlungen verbinden, sondern auch die Vorstellungen einer Elite, welches Leben lebenswert ist, und welchen nicht. So kommt die Färbertochter Alouette, die davon träumt, eigene Formeln für Stofffarben zu verkaufen in die Salpêtrière, ein gefürchtetes Frauenwahnsinnshaus. Im Paris der Mitte des 20. Jahrhunderts sieht der niederländische Arzt Kristof Larsen seine psychiatrische Praxis durch die Nazi-Invasion gestört. Obwohl sich ihre Anliegen und Wege unterscheiden, teilen diese Figuren ein Engagement für Wahrheit und Gerechtigkeit, Eigenschaften, die in ihren Epochen wertvoll waren.
    Paula McLain zeichnet auch die Nebenfiguren hervorragend: zum Beispiel die bigotte Concierge von Kristofs Wohnhaus, die elitäre Adlige, die Salpêtrière leitet, die vergewaltigenden Wachen im Irrenhaus und die gemeinen Gestapo-Offiziere. Auf der anderen Seite gibt es glücklicherweise auch Mitgefühl und Tapferkeit, Personen, die anderen versuchen zu helfen.
    Die doppelte Erzählstruktur erzählt von Überlebensgeschichten, die fast 300 Jahre auseinander liegen, nicht nur die Tunnelanlage verbindet sie – auch die Entschlossenheit ihrer Charaktere. Mit lebendiger Erzählweise und dem Portrait einer Stadt, die in den geschilderten Jahrhunderten nicht widersprüchlicher hätte sein können, hat Paula McLain einen Roman geschaffen, der von (wieder aktuellen) menschlichen Überlebensbedürfnissen und Menschen, die mit ihren tapferen Taten dafür sorgen, dass es für uns alle möglich ist, handelt.

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