Eine andere Geschichte

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Los Angeles, 1959. Der betagte Filmproduzent Curtis Melnitz wird jede Nacht von Albträumen heimgesucht. Er braucht unbedingt Schlaftabletten – aber die bekommt er nur, wenn er regelmäßig zur Psychoanalyse geht. Auf der Couch des Psychiaters erzählt er wider Willen seine Geschichte, sein Leben zwischen Hollywood und Berlin, zwischen der noch schwarz-weißen, stummen Traumfabrik und der umso grelleren, schreienden deutschen Wirklichkeit des frühen 20. Jahrhunderts. Jede Sitzung ein Kapitel. Ein Leben wie ein Roman.

Autor: Charles Lewinsky ISBN: 978-3-257-07378-2 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Diogenes , 2026
Hardcover , 416 Seiten
Produkt-ID:10967

1 Bewertung für Eine andere Geschichte

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    Mit seinem neuen Roman “Eine andere Geschichte“ hat Charles Lewinsky einmal mehr einen historischen Stoff mit fiktiven Elementen verbunden. Lewinsky entführt seine Leserinnen und Leser nach Hollywood der frühen Jahre, in denen sich die später groß gewordene Filmmetropole erst erfinden musste.
    Mittelpunkt der Handlung ist Curtis Melnitz, der als Ich-Erzähler durch den Roman führt. Schlaflosigkeit und Albträume sind sein Problem, ohne Tabletten ist an Schlaf nicht zu denken. Sein Hausarzt verweist ihn nach einigen Jahren an einen Psychiater, den Melnitz zunächst nur widerwillig aufsucht. Der Psychiater, Dr. Cowan, stellt eine Bedingung an Melnitz, um an die Schlaftablette zu kommen: „Operation ohne Narkose“, wie es der Patient nennt, er muss sich nämlich auf die Couch legen und in sich gehen. Je mehr Erinnerungen zur Sprache kommen, desto sehnsüchtiger wartet er später
    darauf, sich wieder auf die Couch legen zu können.
    Curtis Melnitz hat tatsächlich gelebt. Kurt Chmelnitzki, wie er zunächst hieß, wurde 1879 in Leipzig geboren und zog Anfang des 20. Jahrhunderts nach New York und arbeitete dort als Reporter, später als Pressesprecher für Charlie Chaplin. Er war Vertreter für United Artists in Europa und produzierte in den 1930 Jahren einige Filme. 1938 floh er vor den Nazis zurück in die USA. Und damit traut sich Lewinsky in diesem Roman auch an die Gräueltaten des Nationalsozialismus heran, indem er sie in der (fiktiven) Biographie Curtis Melnitz anspricht.
    Aufgebaut ist der Roman als Monolog in nahezu 40 Sitzungen beim Psychiater. Seine Erinnerungen sind kurzweilig, humorvoll, sarkastisch. Sagt Dr. Cowan etwas, dann reagiert Melnitz und erzählt eine neue Episode aus seinem Leben. Manchmal hört er abrupt auf, weil „das ist eine andere Geschichte“, die – Leser:innen aufgepasst – auf den (über)nächsten Seiten erzählt wird. Melnitz sieht sich auch selbstkritisch: „Ich war kein anständiger Mensch. Ich war Geschäftsmann.“
    Farbenfroh und mit feinem Humor erzählte Kinogeschichte entfaltet sich der Roman als ein Mosaik aus Fiktion und Realem, der nicht nur für Cineasten lesenswert ist.

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