Die stumme Herzogin

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(2 Kundenrezensionen)

Blühende Orangenbäume, der Duft von Jasmin – die Geschichte einer Emanzipation und das farbenprächtige Gemälde Siziliens im 18. Jh.
Dacia Maraini beschwört in ihrem preisgekrönten Klassiker und großen Familienroman eine untergegangene Welt herauf. Die taubstumme Herzogin Marianna Ucrìa wird mit 13 Jahren an ihren über 30 Jahre älteren Onkel verheiratet. Ihr Vater bringt ihr Lesen und Schreiben bei, so kann sie mit ihrer Umgebung kommunizieren. Die Literatur wird für sie Rückzugsmöglichkeit aus der emotionalen Leere ihrer Ehe und Mittel zur intellektuellen Emanzipation. Dank der Bücher und ihrer geschärften Sensibilität nimmt sie die Umwelt aufmerksamer wahr und kann die Freuden und Ängste ihrer Mitmenschen fast körperlich spüren. Erst als Witwe erfährt sie den schockierenden Grund ihrer Taubstummheit und erlebt die wahre Liebe über Standesgrenzen hinweg.

Autor: Dacia Maraini ISBN: 978-3-85256-802-7 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Folio , 2020
Hardcover , 365 Seiten
Produkt-ID:4793

2 Bewertungen für Die stumme Herzogin

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    Dacia Marainis Roman „Die stumme Herzogin“ erzählt die Geschichte von Marianna Ucrìa, taubstumme Tochter einer sizilianischen Adelsfamilie. Ihr Vater, ein aufgeklärter und aufgeschlossener Mann erkennt früh, dass er seine sensible Tochter in alle Lebensbereiche einbeziehen muss, wenn sie später auf eigenen Beinen stehen soll. Anders als im 18. Jahrhundert selbst bei adeligen Frauen unüblich, lernt Marianna schreiben und lesen. Auf diese Weise kann sie mit ihrer Umgebung kommunizieren so und ihrer Isolation entkommen.

    Als Dreizehnjährige wird Marianna mit ihrem um mehr als 30 Jahre älteren Onkel verheiratet; ein mürrischer und misstrauischer Mann, der sie herablassend behandelt und wiederholt vergewaltigt. Nach drei Töchtern kommt endlich der ersehnte männliche Erbe zur Welt.

    Da Marianna weder hören noch sprechen kann, nimmt sie die Welt nur über ihre Augen und Nase wahr: Bilder einer magischen Landschaft „um Bagheria: die knorrige Korkrinde über den rötlichen Stämmen, die Olivenbäume mit ihren winzigen grünen Eiern behangene Ästen, … und im Hintergrund die windumbrausten Hügel der Aspra“. Diese schönen Bilder und intensiven Düfte kontrastieren zu ihrem aufopfernden Leben als misshandelte Ehefrau und liebevolle Mutter.

    Der Tod des Mannes ist eine Befreiung für Marianna; die Mumifizierung seiner Leiche in der weitläufigen Gruft unter dem Kapuzinerkloster in Palermo wird – als literarisches Stilmittel eingesetzt – zur Abrechnung mit dem ungeliebten Gatten. Als Witwe erfährt sie dann sowohl den schockierenden Grund ihrer Taubstummheit wie aber auch echte Liebe in einer Affäre mit einem jungen Bediensteten.

    Dacia Maraini thematisiert in diesem Roman die Rolle der Frau in einer streng patriarchalischen und hierarchischen Gesellschaftsordnung. Am Ende des Romans ist Marianna eine freie Frau, die – dank Dacia Marainis Dramaturgie – die Geschlechterordnung in Frage gestellt hat und ein Leben in Selbstbestimmung führt.

    Die fehlende sprachliche Kommunikation Mariannas verwehrt den Leserinnen und Lesern (nur) auf den ersten Blick die Identifikation mit der Protagonistin. Das aber wird durch ihre feinsinnigen Wahrnehmungen und besonders detailreiche Beschreibungen sizilianischer Traditionen ersetzt; ein ungewöhnliches, gleichzeitig hervorragend eingesetztes Stilmittel, das einen farbenprächtigen Einblick in das barocke Sizilien gibt.

    Übersetzerin Sabine Kienlechner hat die stilistische Herausforderung dieser diffizilen und auf mehreren Ebenen und mit Zwischentönen spielenden Geschichte angenommen und den, in der dritten Person geschriebenen Roman außerordentlich gut übersetzt. Lesenswert auch das von Maike Albath verfasste Nachwort, das den persönlichen Bezug der Autorin zu diesem Roman herstellt und einen Einblick in die Entstehung des Romans gibt. Bereits 1990 erstmals veröffentlicht, ein zeitlos fesselnder Lesestoff, dem ich fünf Sterne geben MUSS!

  2. Bewertet mit 5 von 5

    Andrea Meyer

    Sizilien, Anfang des 18. Jahrhunderts. Ein Zeitbild, ein Sittenbild und die Geschichte der Selbstbefreiung einer ‚benutzten‘ Frau.

    Dacia Maraini, eine der großen Autorinnen der italienischen Literatur, beschreibt in ihrem Roman den Lebensweg einer Frau, die im Alter von 13 Jahren mit ihrem verhassten herzoglichen Onkel vermählt wird und der das Schicksal und ihre eigene Kraft es ermöglichen, sich aus den Zwängen, den Konventionen und der Gewalt dieser Zeit zu befreien.

    Zu Recht ein Klassiker der italienischen Literatur. Absolut lesenwert!

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