Der Rabengott
Seit Jahrhunderten wird das Königreich Iraden von einem Gott beschützt: Er heißt der Rabe und residiert in einem Turm in der mächtigen Hafenstadt Vastai. Von dort wacht er über das Reich. Seinen göttlichen Willen lässt er über einen Rabenvogel an seinen menschlichen »Statthalter« kundtun.
Der Vogel des Rabengottes ist tot, und die göttliche Regel schreibt vor, auch der „Statthalter“ muss unverzüglich sterben, um Platz für seinen Nachfolger zu machen. Als Mawat, der rechtmäßige Erbe, mit seinem Freund, dem Kämpfer Eolo, in der Hauptstadt eintrifft, sitzt bereits ein Regent auf dem Herrscherstuhl – sein Onkel. Mawats Zorn kennt keine Grenzen und während er versucht, sein Reich zurückzuerobern, entdeckt Eolo, dass der Turm des Raben ein dunkles Geheimnis birgt: In seinem Fundament harrt eine Prophezeiung, die, wenn sie sich erfüllt, Iraden für immer zerstören könnte. Die preisgekrönte Science Fiction-Autorin Ann Leckie legt mit dem Rabengott ihren ersten High Fantasy-Roman vor.


Rebekka Linden –
Der Roman wartet mit vielen Überraschungen und Neuerungen im Aufbau auf. Dadurch, dass das Buch in dem Sinne keine Kapitel besitzt, befindet sich der Leser unmittelbar in der Geschichte wieder, kann sie aber auch nicht einfach kurz zur Seite legen. Für einige Leser mag genau die Art des Lesens schwierig erscheinen, da sie an Kapitel gewöhnt sind. Dennoch gibt es sogenannte Sinnesabschnitte, welche dem Leser eine gewisse Ordnung geben. Durch den Aufbau wird dem Leser klar, dass die Erzählerstimme, welche zweifellos eine Figur des Geschehens ist, seine Geschichte erzählt. Trotz allem ist die Perspektive des Erzählers etwas Neues, da der Erzähler unmittelbar mit einer handelnden Person spricht, während die Erzählstimme nicht handeln kann.
Der Weltenaufbau kann nur als gelungen beschrieben werden. Die kleinen Details werden Perspektiven bedingt an den Leser herangebracht. Die Schreibweise des Buches mag für den Leser eine gewisse Umstellung darstellen, sobald dieser sich aber daran gewöhnt hat, kann dieser sich vollends in die Erzählung fallen lassen. Die Figuren der Geschichte werden teilweise mit großer Tiefe dargestellt, teilweise aber auch aus der Sicht des Erzählers ein wenig abgeflacht. Somit ist es schwierig ein eindeutiges Bild über die Tiefe der Charakterzüge der handelnden Personen zu erhalten und dennoch gibt sich der Erzähler jede Mühe eine Tiefe, welche nicht durch seine Sicht zu erkennen ist, hineinzuinterpretieren. Jedoch wird dies teilweise etwas erschwert, da die handelnden Figuren nicht mit dem Erzähler mittelbar interagieren und dieser sich demzufolge nur auf Beobachtungen stützen kann.
In der Darstellung erscheint die Handlung sehr glaubhaft, da sich keine Lücken oder Unstimmigkeiten in Erklärungen ergeben. Das Ende ist offen, sodass der Leser in gewisser Hinsicht auf eine Fortsetzung hoffen könnte, da aber das Buch mit dem einen Band abgeschlossen ist, ist dies nicht zu erwarten. Abschließend lässt sich sagen, dass dieses Buch eine recht seltene Erzählweise besitzt und diese bis zu ihrer Grenze hin ausweitet. Der nicht mittelbare Umgang zwischen den Ebenen lässt eine große Spannung und viel Interpretationsspielraum offen, sodass dem Leser einige Fragen aufkommen, welche nur durch das Weiterlesen beantwortet werden können.
Für Fantasyfans ist dieses Buch eine hübsche Erweiterung ihrer Sammlung, da das Buch zum einen recht kurz ist und dennoch so abschließend und gut abrundend ist, wäre dieses Buch auch für Gelegenheitsleser zu empfehlen.