Das Damengambit

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Mit acht entdeckt Beth Harmon im Waisenhaus zwei Möglichkeiten, der harten Realität zu entfliehen: die grünen Beruhigungspillen, die den Kindern täglich verabreicht werden. Und Schach. Das Mädchen ist ein Ausnahmetalent und gewinnt Turnier um Turnier, mit 16 spielt sie gegen lauter erwachsene Männer um die US-Meisterschaft. Ihr Weg führt steil nach oben, doch bei jedem Schritt droht der Abgrund von Sucht und Selbstzerstörung. Denn für Beth steht viel mehr auf dem Spiel als Sieg und Niederlage.

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Autor: Walter Tevis ISBN: 978-3-257-24670-4 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Diogenes , 2022
Softcover , 413 Seiten
Produkt-ID:6528

1 Bewertung für Das Damengambit

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieelotte Stalzer

    Der 1983 erschienene Roman „The Queen’s Gambit“ von Walter Tevis wurde 2021 erstmals in Deutsche übersetzt und handelt von Beth Harmon, einem achtjährigen Waisenkind im Methuen-Kinderheim im US-Staat Kentucky. Sehr schnell entdeckt Beth zwei Möglichkeiten, der tristen Realität im Waisenhaus zu entfliehen: die grünen Beruhigungspillen, die den Kindern täglich verabreicht werden und Schach spielen. Durch Zufall bemerkt sie im Keller den Hausmeister, der über einem Schachbrett sitzt und ihr, zunächst widerwillig, die Spielregeln erklärt. Sie lernt schnell, doch als eine Gesetzesänderung der Heimleitung untersagt, Beruhigungspillen weiter auszugeben, verschafft sich Beth, mittlerweile süchtig, diese im Arzneimittelraum, wird dabei erwischt und erhält Schachverbot.

    Mit 13 wird Beth von einem Ehepaar adoptiert, ihre neue Mutter ist schon gezeichnet von Alkohol- und Tablettenkonsum, und von ihrem Mann praktisch schon getrennt. Von Neuem sieht Beth im Schachspiel eine Chance, sich unangenehmen Gefühlen und Tatsachen zu entziehen. Sie stiehlt das Startgeld für ein Schachturnier und wird Landesmeisterin von Kentucky. Sie gewinnt Turnier um Turnier, aber mit jedem weiteren Erfolg versucht sie mit Pillen Stress und ihre Ängste auszublenden und mit Alkohol aus ihrer Routine auszubrechen. Ihr Weg an die Spitze soll mit einem Sieg über den russischen Weltmeister Vasily Borgov gekrönt werden.

    Walter Tevis‘ (1928-1984) Roman ist in der kurzen und logischen Sprache des Schachspiels verfasst und vermittelt die bedingungslose Leidenschaft für das Spiel, dessen Strategien und Techniken. Spürbar wird auch die beeindruckende kognitive Leistung, die Spitzenschachspieler vollbringen müssen. Zwischen den (meist in Beth‘ Kopf gespielten Schachpartien) sind Episoden aus dem Alltag der Protagonistin, aber auch einschneidende Erlebnisse, wie z.B. der Tod ihrer Adoptivmutter vor.

    Der Umgang mit Erfolg oder Niederlage ist eines der zentralen Themen dieses Romans, genauso respektvoller Umgang miteinander, Freundschaft und Vertrauen zu kongenialen Begleitern in psychisch und physisch zermürbenden Situationen. „Das Damengambit“ (kein zufälliger Titel, der Ausdruck kann wie viele andere Begriffe aus der Schachwelt doppeldeutig verstanden werden), auch das bringt der Autor in seinem Roman mit Leichtigkeit unter, thematisiert den Kampf einer jungen Frau in einer männerdominierten Welt sowie Diskriminierung und Rassismus gegenüber Afroamerikaner:innen (fast 40 Jahre vor der Black Lives Matter-Bewegung, im Roman ist es Beth‘ Freundin Jolene, die deshalb Zurückweisung erfahren muss).

    Die Leser:innen müssen Schach nicht beherrschen, um diesen Roman zu verstehen, denn die entsprechenden Abschnitte können auch übersprungen werden. Aber Achtung: allzu leicht könnten dabei auch einige andere spannende Gedankengänge verpasst werden, z.B. die Überlegung welche Einschüchterungstaktiken ein älterer, erfahrener und schon vielfach siegreicher Gegner wählen wird.

    „Das Damengambit“ ist ein temporeicher Roman, gut übersetzt von Gerhard Meier – und als eine der wenigen Neuerscheinungen der letzten Jahre – lohnenswert ein zweites Mal gelesen zu werden (und vielleicht sogar, wie es viele Seher:innen der Romanverfilmung auf Netflix getan haben, mit Schach zu beginnen).

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