Daily Soap
Toni befindet sich im Auge eines Orkans: Zwischen ihren Eltern donnert es gewaltig, zudem fliegen ihr Verschwörungstheorien, alltäglicher Rassismus und ungeklärte Verwandtschaftsverhältnisse um die Ohren. Ruhe findet sie nur beim Schauen ihrer Lieblings-Soap. Als der Sturm ihr Wohnzimmer erreicht, muss Toni die Couch verlassen, um sich der Welt da draußen zu stellen.


Lieselotte Stalzer –
Die Autorin Nora Osagiobare ist in der Schweiz als Tochter eines nigerianischen Vaters geboren. Sie ist von klein auf mit Rassismus konfrontiert. Diese Erfahrungen sind Teil ihres ersten Romans „Daily Soap“.
Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei Schweizer Familien. Das Thema Rassismus ist zentral; nicht nur aufgrund der Herkunft der Autorin. Da ist eine Mutter, die zwei Töchter von zwei verschiedenen Männern hat, wobei einer Nigerianer war (sic!). Die zweite Tochter ist von einem Schweizer und weiß.
Das Personal des Roman, z.B. der schwule Sohn des Schweizer Vaters, ist überzeichnet und klischeehaft dargestellt, ganz im Sinne einer Soap im Vorabendprogramm: Sex, Affären, On-Off Beziehungen, Eifersucht usw.
Die Handlung in Osagiobares Debüt spielt in einer dystopischen Schweiz und führt manchmal auch dazu, dass man als Leser:in lächeln muss. Es gibt z.B. Ein Bundesamt namens BARACK, das „Verantwortlich für die Einteilung von Schweizer Bürgern mit Hautfarben außerhalb des eidgenössischen Hautfarbenspektrums. [Es] ist das Bundesamt für die Rationalisierung Andersfarbiger anhand von Cappuccino beziehungsweise Kaffee.“
Im Rhythmus zwischen Satire, Soap, Klischee und Gesellschaftsroman kritisiert die Autorin die, die Ungerechtigkeiten zwischen Arm und Reich, zwischen Menschen, die Macht haben und jenen, die ihnen ausgeliefert sind.
Ein temporeiches, sprachlich hervorragendes, mit grotesken Verwicklungen gespicktes Debüt, das man nur voll empfehlen kann.