Smart City
Wem gehört die Stadt der Zukunft? Daniel Wisser erzählt vom Traum einer digitalisierten Wohlfühlwelt und ihrem größten Problem: dem Menschen.
Aufbruchstimmung in NEUDA, der sichersten, saubersten und nachhaltigsten Stadt der Welt. Über den rechtwinklig angeordneten Straßen kreisen Drohnen, unten bewegen sich geräuschlos Elektrocaddies und Cleaning-Robots, eine Messsäule kontrolliert die Lautstärke, die 54 Dezibel nicht übersteigen darf. Die Journalistin Morag Oliphant, deren Mann und Tochter bei einem Überfall von unbekannten Tätern getötet wurden, sucht den Neuanfang in NEUDA und will über dieses Pilotprojekt berichten. Sicherheit, Lebensqualität und ein harmonisches Zusammenleben garantiert man den Einwohnern der Smart City. So zumindest die Versprechung der Politik. Doch schon bald bemerkt Morag Oliphant merkwürdige Dinge: Nicht registrierte Menschen huschen durch die Straßen, der Müll verschwindet einfach vor den Toren der Stadt, und für die Sicherheit sorgt nicht die Polizei, sondern ein privates Unternehmen, das sich jeder Kontrolle entzieht. Als bei einer Demonstration ein Mann stirbt und niemand verantwortlich sein will, kommt Morag Oliphant nicht nur dem schattenhaften Geflecht von Politik und dem Konzern, der NEUDA betreibt, näher. Auch die Aufklärung des Todes ihrer Familie scheint damit zusammenzuhängen.


Lieselotte Stalzer –
Daniel Wisser ist bekannt dafür, dass er aktuelle Themen aufgreift. So auch in diesem Roman. In der digitalisierten Wohlfühlstadt NEUDA herrscht Aufbruchstimmung. Die Journalistin Morag Oliphant, deren Mann und Tochter bei einem Überfall von unbekannten Tätern getötet wurden, sucht den Neuanfang in NEUDA und will über dieses Pilotprojekt berichten. Garantiert wird den Bewohnerinnen und Bewohnern Sicherheit, Lebensqualität ( so wird z.B. die Lautstärke kontrolliert und darf 54 Dezibel nichrt übersteigen) und ein harmonisches Zusammenleben. So verspricht es die Politik. Doch wem gehört die Smart City? „Jetzt brauchen wir noch Gerechtigkeit und Demokratie“, sagt eine der Figuren in diesem Roman. Drohnen und Kameras gibt es überall, eine Smartwatch, die alle Bewegungen aufzeichnet, ist verpflichtend zu tragen.
Angeblich leben keine Migranten in NEUDA, tatsächlich aber halten nur sie die Infrastruktur am Laufen. Es gibt ein Innen (NEUDA) und Außen (Rußbach). Morag Oliphant findet schnell heraus, dass der gewaltsame Tod ihrer Familie auf die Verflechtungen zwischen Politik, Medien und einer Sicherheitsfirma zu suchen ist. Sie gelangt an geheime Daten und damit den Mördern ihres Mannes und ihrer Tochter auf die Spur. Auch eine neue politische Bewegung, die sich für eine neue politische Bewegung einsetzt kommt zur Erkenntnis, dass die Menschen nicht frei sein wollen, denn das bedeutet Verantwortung für ein eigenes Leben.
Daniel Wisser hat eine dystopische Lebenswelt geschaffen, eine Parabel die an Orwell oder Huxley erinnert. Ein sehr lesenswertes kritisches Buch, das einen pessimistischen Nachgeschmack auf gesellschaftspolitische Entwicklungen zurücklässt.