Missitalia

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Nach »Die Fremde« schreibt Claudia Durastanti in ihrem neuen Roman über die Schicksale dreier Frauen aus drei Jahrhunderten. »Durastanti ist ein punkiges Hexen-Genie.« Joshua Coen Drei außergewöhnliche Frauen in drei Jahrhunderten geben in »Missitalia«, dem großartigen neuen Roman von Claudia Durastanti, den Ton an: Amalia versammelt als eine Art Mutter Courage im Krieg Waisen und Ausreißerinnen in der süditalienischen Basilikata um sich. Hundert Jahre später, als man in der Region nach Erdöl sucht, wird die junge Wissenschaftlerin Ada quasi aus Zufall zur Spionin. Und schon in der Zukunft ist es A, die das Leben auf dem Mond vorbereiten soll. Durastanti ergründet Mythos und Geschichte, die Veränderungen der Gegenwart und der Zukunft. Und »sie fängt das Schweigen und die Lücken, die in Beziehungen entstehen, perfekt ein« (New York Times).

Autor: Claudia Durastanti ISBN: 978-3-552-07550-4 Kategorien: , Schlüsselwort:
Zsolnay , 2026
Hardcover , 400 Seiten
Produkt-ID:11107

1 Bewertung für Missitalia

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer

    Das Leben und die Schicksale dreier Frauen aus drei Jahrhunderten stehen in Claudia Durastanti Roman „Missitalia“ im Mittelpunkt; drei außergewöhnliche Figuren, in drei Jahrhunderten. Sie alle leben in einem kargen Teil Italiens, zerklüftet und voller Schluchten – im Val d’Agri in der Basilikata. Gemeinsam ist diesen Frauen nur der Anfangsbuchstaben ihrer Namen, der erste Buchstabe des Alphabets A. Sie heißen Amalia, Ada und A.

    Mit Amalia Spada wird der Reigen dieser drei bemerkenswerten Frauen eröffnet. Die Erzählung setzt kurz nach der Vereinigung Italiens im 19. Jahrhundert ein. Amalia wird als wagemutige Mutterfigur gezeichnet. Ihr Haus inmitten der Calanchi ist ein Zufluchtsort für Rebellen und Mädchen, die nach Freiheit streben. Mit dem Einzug der Industrialisierung wird die bäuerliche und auf Tauschgeschäfte aufgebaute Welt durch den Bau einer modernen Fabrik für Stoffe abgelöst.

    Ada lebt in Rom in den 1950er Jahren. Sie ist sehr jung und beginnt, bei einer Zeitschrift zu arbeiten. In jenen Jahren wurden Ölvorkommen in der steinigen Region der Basilikata entdeckt, und so werden Bohrungen durchgeführt. Auf Adas Weg zwischen Machtzentren und Förderanlagen verstrickt sie sich in einen magnetischen Süden, der den Verlauf ihres Lebens revolutioniert. Sie wird im Roman zum Symbol für die Entstehung von Rechten der Frauen auf Kultur, Bildung und politische Anerkennung, z.B. das Recht zu wählen.
    Schließlich zeigt uns der dritte Teil des Romans ein dystopisches Leben in der Zukunft. Man schreibt das Jahr 2051. Reisen zum Mod sind mittlerweile gang und gäbe. Nachdem die Ölvorkommen in der Basilikata erschöpft sind, wird beschlossen, die Region als Basis für die Kolonialisierung des Mondes zu nützen und einen Weltraumhafen zu erreichten. A.’s Aufgabe besteht in der Vorbereitung auf ein Leben auf dem Erdsatelliten Mond. Und einmal mehr nimmt die zurückgebliebene Bevölkerung die Veränderungen ihrer Lebensumstände mit gemischten Gefühlen auf.
    Die Handlung des Romans ist sehr komplex, da die Autorin immer wieder Verweise auf die verschiedenen Epochen der italienischen Geschichte zurückgreift, in der sich die drei Figuren bewegen. Jede der drei Frauenfiguren sind mit sehr viel (sprachlicher) Empathie in das jeweilige Jahrhundert gestellt und mit den Erfahrungen, den Gerüchen und dem Aussehen der Landschaft verknüpft. Durastantis Roman erzählt in epischer Breite von drei Frauen und dem Schweigen bzw. Nicht-Schweigen der Geschichte.
    Sehr gute Übersetzung eines anspruchsvollen Romans.

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