Fehlende Gespenster

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Was verbirgt sich unter einer Stadt? In “Fehlende Gespenster” folgen wir einer raffinierten Erzählerin in das sagenumwobene Wiener Tunnelsystem. Nach der Eröffnung des Zentralfriedhofs 1874 wurde es zur Überführung der Leichen mittels einer pneumatischen “Rohrpost” entwickelt, der letzte “Passagier” war angeblich Niki Lauda. Und das ist nur eine der absurden Geschichten, die Merian, eine rätselhafte junge Frau, bei ihren Führungen durch die stillgelegten Tunnel erzählt. Doch wem sollten wir auf einer Reise durch die Unterwelt vertrauen? Mit verdächtiger Erzählfreude und finsteren Absichten nimmt Merian ihre abenteuerlustigen, aber vielleicht ein wenig vorlauten Besucher mit in ein Labyrinth, aus dem nicht alle heil wieder herausfinden werden … Ein sehr guter Debütroman von Sarah Wipaer

Autor: Sarah Wipauer ISBN: 978-3-7017-1829-0 Kategorie: Schlüsselworte: ,
Residenz
Hardcover , 368 Seiten
Produkt-ID:11374

1 Bewertung für Fehlende Gespenster

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Lieselotte Stalzer –

    Die unterirdischen Gänge, Röhren und vergessenen Schächte das Kanalsystem von Wien nicht zu vergessen, sind faszinierende Orte einer Stadt unter der Stadt. Sie sind Teil der Stadtgeschichte und erzählen von der Vergangenheit Wiens. Sarah Wipauers Roman „Fehlende Gespenster“ ist ein gelungener Debütroman, der den Wunsch weckt, selbst einmal durch einen Kanaldeckel in diese Unterwelt zu steigen und von der Ich-Erzählerin Merian herumgeführt zu werden. „Es gibt eigentlich keine Führungen. Es gibt mich nicht als Führerin. … Es gibt keine Regeln, an die ich mich halten muss.“
    Merian besitzt als eine von wenigen noch einen Schlüssel zu dem unterirdischen System und bietet Führungen unter Tage an. Eine solche Führung bildet die Rahmenhandlung des Buches. Sie leitet eine Gruppe junger Männer durch den Untergrund und erzählt dabei über die Geschichte der Pneumatischen Bahn, ein der Rohrpost nachempfundenes Transportsystem für Leichen, das Ende des 19. Jahrhunderts vom Ingenieur Franz von Felbiger ersonnen und in Wipauers Roman tatsächlich realisiert wurde.
    Vielen Leserinnen und Lesern ist der Kriminalroman „Der dritte Mann“ und dessen Verfilmung bekannt, Sarah Wipauer hat einen anderen, nicht minder interessanten Zugang zu dieser Welt. Auf dem Weg zwischen Gersthof (natürlich unter der Erde) und dem Zentralfriedhof entsteht ein Netz aus Merians Erinnerungen, Anekdoten, Mythen. Die jungen Männer versuchen sie mit auswendig gelernten Fakten und Sagen aus der Ruhe zu bringen, was ihnen aber nicht gelingt. Auch von prominenten Toten, die mit der Pneumatischen transportiert worden sein sollen, erfährt man. So z.B. den letzten beförderten Passagier Niki Lauda. „Als Niki Lauda in seinem Rennanzug runter zu uns in die Station der pneumatischen Leichenbeförderung gesenkt wurde, ahnten wir schon, dass es nicht gut gehen konnte.“
    Die Autorin hat ein großes Talent zu fabulieren und zu formulieren. „Fehlende Gespenster“ ist ein Roman, der formal herausfordernd ist, weil er auf Markierungen im Sprechtext innerhalb der Handlung verzichtet, auch die Kapitel tragen nur Nummern und sagen nichts über die Erzählebene aus. Inhaltlich nähert sich die Autorin dem Phänomen Tod und dem menschlichen Umgang damit vielschichtig an. Der Schauplatz Wien, einer Stadt, die ihre Toten mit einer „schönen Leich“ besonders ehrt, und Traditionen konserviert ist, eignet sich natürlich besonders gut für diese Handlung.
    Als Wiener Buchhändlerin und ehemalige freiberufliche Reiseleiterin war ich auf diesen Gründen besonders auf diesen Debütroman gespannt. Und wurde nicht enttäuscht. Denn: „Wenn es keine Gespenster mehr gibt, dann ist die dazugehörige Welt ganz verschwunden.“

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